Band 
Lehrbuch der kosmischen Physik.
Seite
52
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52 Erstes Buch, Zweites Capitel.

durchmesser, oder mit anderen Worten, die Erd eist an den Polen abge-plattet.

Die geodätischen Operationen, durch welche dergleichen Gradmessungen aus-geführt werden, können hier nicht den Gegenstand weiterer Besprechung bilden.

Newton hatte die Abplattung der Erde aus theoretischen Gründen abge-leitet; allein eS fehlte an genauen Gradmessungen, welche Newton's Behaup-tung hätten bestätigen können, bis die französische Akademie der Wissenschaftengegen die Mitte des vorigen Jahrhunderts eine wissenschaftliche Expedition nachPeru und eine andere nach Läpp land veranlaßte, um daselbst genaue Grad-messungen anzustellen. Die Gradmessung in Peru wurde von Bougucr undCondamine , die in Lappland wurde von Maupertuis , Clairaut undOuthier ausgeführt. Die Resultate dieser Messungen setzten die Abplattungder Erde außer Zweifel.

Als gegen Ende des vorigen Jahrhunderts der Rationalconvent in Frank­ reich ein neues Maß- und Gewichtssystcm einführen wollte, entschied man sichdahin, daß die neue Längeneinheit in einem einfachen Verhältniß zur Länge einesErdmeridians stehen sollte, und verordnete deshalb, daß eine neue möglichst ge-naue Gradmessung ausgeführt werden sollte, mit welcher Delambre und Me-ch ain beauftragt wurden. Sie führten die Messung des Mcridianbogens vonDünkirchen bis Barcelona aus. Später ist aus demselben Meridian nochder Bogen von Barcelona bis Formenterg (durch Biot und Arago) und vonDünkirchen bis Greeuwich gemessen worden. Auch diese Messungen haben ge-zeigt, daß in der That die Länge eines Breitegrades nach Norden hin zunimmt.Zwischen Formentera und Montjouy ist die Länge eines Breitegrades 56955,4Toisen, zwischen Dünkirchen und Greenwich ist sie 57097,6 Toisen.

Nachdem Delambre und Mechain ihre Messung beendigt hatte», wurdeeine Commission von Gelehrten ernannt, um auf dieselbe das neue Maßsystemzu gründen. Die Commission combinirte diese in Frankreich ausgeführte Grad-messung mir den früher in Peru und Lappland erhaltenen Resultaten und folgertedaraus, daß der Erdmeridian eine Ellipse sei, deren Abplattung betrüge undderen vierter Theil (der Bogen vom Aequator bis zum Pol) 5 130 074 Toisenlang sei. Der Zehnmillionste Theil des Erdmeridianquadranten wurde alsEinheit des Längenmaßes angenommen und Meter genannt.

Das Meter wurde also zu 0,513 074 Toisen oder zu 3' 11,296 PariserLinien festgesetzt.

Seitdem hat man durch Discussion der älteren und neueren Gradmessungen,welche in verschiedenen Gegenden der Erde ausgeführt worden waren, gesunden,daß die Abplattung der Erde größer sei, als die französischen Gelehrten ange-nommen hatten, daß sie 1 / i99 betrage. Diese Modifikation im Werthe der Ab-plattung zieht eine entsprechende Aenderung in der Länge des Meridianquadran-ten nach sich, welcher in der That nicht 10 Millionen Meter, sondern 10 000 856Meter lang ist.

Die halbe große Axe der Mcridianeüipse, also der Radius des Aequators ,hat den erwähnten Messungen zufolge eine Länge von 6 37.7 398 Metern, die