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Erstes Buch. Drittes Capitel.
Vollmond »ach dem Frühlingsäquinoctium folgt. — Zur Zeit dieses Conci-liums, im Jahre 325, fiel die Frühlings-Tag- und Nachtgleiche auf den 21. März.— Man fuhr nun fort, nach dem julianischen Kalender zu zählen bis 1582,zu welcher Zeit dann die Zeit des Frühlingsäquinoctiums schon merklich ver-rückt war; es fand nämlich nicht mehr am 21. März Statt, wie im Jahre 325,sondern es fiel auf den 11. März.
Vom Jahre 325 bis 1582 waren 1257 Jahre verflossen. Da der Feh-ler des julianischen Kalenders 0,00776 Tage im Jahre beträgt, so war er alsoim Laufe dieser 1257 Jahre auf 9,7, also fast auf 10 Tage gewachsen. Manhatte in der Zwischenzeit 10 Schalttage zu viel eingeschaltet und war dadurchum 10 Tage im Kalender zurückgekommen. Deshalb verordnete Gregor XIII. ,daß auf den 4. October 1582 gleich der 15. October folgen sollte, um so denseit dem Concilium von Ricäa angewachsenen Fehler auszugleichen.
Damit aber dieser Fehler für die Zukunft vermieden werde, wurde ver-ordnet, daß alle 400 Jahre 3 Schalttage ausfallen sollten, was durch die Be-stimmung erreicht werde, daß das erste Jahr eines jeden Jahrhunderts, welchesnach dem julianischen Kalender ein Schaltjahr ist, nur 365 Tage haben sollte,wenn die Jahreszahl nicht durch 400 theilbar ist. So bleiben also die Jahre 1600und 2000 Schaltjahre, die Jahre 1700, 1800, 1900 aber, sowie 2100,2200, 2300 find cs nicht.
Der gregorianische Kalender wurde alsbald unter allen Völkern ein-geführt, welche der römischen Kirche angehören; und bald wurde er auch vonden Protestanten angenommen. Die Griechen und Russen haben noch bisauf den heutigen Tag den julianischen Kalender beibehalten, so daß ihre Zeit-rechnung gegenwärtig um 12 Tage gegen die unsrige zurück ist. Der 1. Ja-nuar des rusfischen Kalenders ist der 13. Januar des unsrigen. Der 20. Maialten Stils ist der 1. Juni neuen Stils.
i5 Rückgang der Aequinoctialpunkte. Wir haben bisher den Früh-lingspunkt als einen festen Punkt des Himmels betrachtet, was er aber in derThat nicht ist. Verfolgt man den Lauf der Sonne längere Zeit, so ergiebtfich zwar, daß der Weg, welchen fie unter den Gestirnen beschreibt, im Wesent-lichen ungeändert bleibt, daß aber die Punkte, in weichen die Ekliptik vondem Himmelsäquator durchschnitten wird, langsam von Osten nach Westen fort-rücken, also der Bewegung der Sonne entgegen.
Im Lause eines Jahrhunderts beträgt dieser Rückgang der Tag- undNachtglcichen 1° 28" 30", in einem Jahre also 50".
Da also der Frühlingspunkt stets von Osten nach Westen fortschreitet, so istklar, daß die Länge der Gestirne fortwährend wächst. Hipparch fand z. B.im Jahre 130 v. Chr. die Länge von « Virginia (Spica) gleich 174°, wäh-rend fie gegenwärtig 201,5° ist. Dabei bleibt die Breite der Gestirne nahezuunverändert, weil die Ebene der Ekliptik ihre Lage nicht ändert.
Fig. 48 stellt die gegenseitige Lage der Ekliptik und des Himmelsäquatorsdar. Beide Ebenen scbneiden fich in der Linie CD -, C ist der Herbstpunkt. D