Band 
Lehrbuch der kosmischen Physik.
Seite
266
JPEG-Download
 

121

266 Zweites Buch. Zweites Eapitel.

Brechung des Lichts in an einander gränzenden Luftschichten von sehr verschiede^ner Dichrigkeit hervorgebracht werden. Wir haben bisher angenommen, daßdiese Luftschichten in ebenen Flächen an einander gränzen; wenn dies aber nichtder Fall ist, wenn die Gränzflächen gekrümmt und unregelmäßig sind, so er-scheinen die Bilder verzerrt. Es ist nicht zu bezweifeln, daß die unter demNamen Fata Morgana bekannten Erscheinungen eine Wirkung der Luftspiege-lung sind. Sie werden zu Neapel , zu Reggio und an den Küsten von Sicilienbeobachtet. Auf einmal sieht man in großer Entfernung in den Lüften Ruinen,Säulen, Schlösser, Paläste, kurz eine Menge von Gegenständen, deren Anblicksich fortwährend ändert. Das Volk strömt dann dem User zu, um dieses son-derbare Schauspiel anzusehen. Diese feenhafte Erscheinung beruht darin, daßGegenstände sichtbar werden, die man bei dem gewöhnlichen Zustande der Atmo-sphäre nicht sehen kann und welche zerrissen, verzerrt und in fortwährender Bewegungzu sein scheinen, weil die ungleich dichten Luftschichten in steter Bewegnyg sind.

Der Regenbogen. Es ist allgemein bekannt, daß man einen Regen-bogen sieht, wenn man eine regnende Wolke vor sich und die Sonne im Rückenhat. Der Regenbogen bildet gleichsam die Basis eines Kegels, in dessen Spitzedas Auge steht und dessen Axe mit der geraden Linie zusammenfällt, welcheman durch die Sonne und das Auge legen kann. Unter den eben angegebenenBedingungen erscheint auch der Regenbogen in dem Staubregen der Wasserfalleund Springbrunnen. .

Um den Regenbogen zu erklären, muß man den Weg der Sonnenstrahlendurch die Regentropfen verfolgen.

Wenn ein Sonnenstrahl^^, Fig. 178, einen Regentropfen trifft, sowird er gebro-chen, und es ist leicht, die Richtung des gebrochenen Strahls AB zu berechnen oder

zu construiren. Bezeichnet manden Einfallswinkel mit i, denBrechungswinkel mit r, so istsin. i= 1,33 sm. r, weil 1,33der Brechungsexponent für Was-ser ist. In B wird der Strahltheils gebrochen, theils gespie-gelt; der gespiegelte Strahltrifft in C von Neuem die Ober-fläche des Tropfens und wirdin der Richtung CO gebrochen.Verlängert man die Linien £.4und OC, so schneiden sie sichin N. Der Winkel ANC, denwir mit d bezeichnen wollen,ist der Winkel, welchen der austretende Sonnenstrahl mit dem einfallendenmacht, und die Größe dieses Winkels soll zunächst bestimmt werden. Ziehenwir in dem Punkte B, in welchem der Strahl gespiegelt wird, das Einfallsloth

Fig. 178.