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Drittes Buch. Erstes Kapitel.
mehr Seewinde, sondern Landwinde sind, und deshalb hier nicht mehr den mil-dernden Einfluß ausüben können wie auf den Westküsten. Während die euro päischen Küsten von wärmerem Wasser bespült sind, ziehen sich an den Ostküstenvon Nordamerika kalte Meerströmungen von Norden nach Süden. Eine solcheStrömung, von Spitzbergen herkommend, geht zwischen Island und Grönland hindurch und vereinigt sich dann mit den aus der Hudsons- und Basfinsbaykommenden Strömungen, um an der Küste von Labrador herab, bei Reufound-land vorbei zu treiben und sich unter dem 44. Breitengrade in den Golfstromzu ergießen. Diese arktische Strömung trägt die Kälte der Polarregionen theilsdurch die niedrige Temperatur des Wassers selbst, theils durch schwimmendeEisberge in die südlicheren Gegenden, und so ist diese Strömung ein Haupt-grund der bedeutenden Senkung der Isothermen an den Ostküsten von Amerika .
Auf der südlichen Hemisphäre sind die Isothermen weit weniger gekrümmtals auf der nördlichen, was wohl vorzugsweise darin seinen Grund hat, daßder größte Theil derselben mit Wasser bedeckt ist.
An den Westküsten von Südamerika macht sich eine bedeutende Annähe-rung der Isothermen gegen den Aequator hin bemcrklich, wie man dies sowohlbei den Jahresisothermen als auch bei den Isothermen des Januar und desJuli sehen kann. Es rührt dies daher, daß gerade an diesen Küsten eine vomSüdpol gegen den Aequator gerichtete Meeresströmung die kälteren Gewässerdes südlichen Eismeeres den niederen Breiten zuführt.
Eine ähnliche Strömung im südlichen Theile des atlantischen Oceans be-wirkt, daß auch zwischen Brasilien und Afrika die Isothermen ihre convepenGipfel dem Aequator zukehren.
Im Allgemeinen ist die südliche Hemisphäre kühler als die nördliche, wiesich schon daraus ergiebt, daß der größte Theil des Gürtels, innerhalb dessendie mittlere Jahrestemperatur über 20» R. ist, zum größten Theil auf die nörd-liche Hemisphäre fällt (Tab. XVI). Auch die Tabelle auf Seite 287 bestätigtdie eben ausgesprochene Behauptung.
Die geringere Wärme der südlichen Halbkugel mag ihren Grund wohlvorzugsweise darin haben, daß das Meer einen großen Theil der seine Ober-fläche treffenden Wärmestrahlen reflectirt, daß also überhaupt die Quantität derauf der südlichen Erdhälftc absorbirten Wärmestrahlcn nicht so groß ist wie aufder nördlichen, weit mehr Land enthaltenden Hemisphäre.
Abweichungen vom normalen Gange der Wärme. Die perio-dischen Schwankungen der Lufttemperatur treten nie rein auf, sie erscheinen stetsmehr oder weniger durch unregelmäßige Veränderungen alterirt. Wir brauchennur die thermometrischen Beobachtungsreihen irgend eines Ortes mit Aufmerksam-keit zu verfolgen, um zu finden, wie verschieden der Gang der Wärme von einemJahr zum anderen ist, wie bedeutend die aus den Beobachtungen gezogene mitt-lere Temperatur eines Monats in einzelnen Jahren von dem entsprechendenMittel anderer Jahre sowohl wie von dem allgemeinen Monatsmittel abweicht.