Band 
Lehrbuch der kosmischen Physik.
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Drittes B»ck. Erstes Capitel.

zu untersuchen, und im Jahre 1783 stellte er gemeinschaftlich mit Lavoisier inden Kellern des Observatoriums einen sehr empfindlichen Apparat auf, welcherentscheidende Resultate liefern mußte. Dieser Apparat, welcher noch jetzt daselbstaufgestellt ist, hat folgende Einrichtung.

Auf dem Boden des Kellers, in einer Tiefe von 27,6 Metern, erhebt sichein massiver Steinblock von 1,3 Meter Höhe, auf welchem ein mit feinemSande gestilltes Glasgefäß steht; in diesem Sande steckt die Kugel eines Ther-mometers, dessen Theilung auf Glas geätzt ist. Das Thermometer ist vonLavoisier selbst construirt und mit wohl gereinigtem Quecksilber gefüllt; seineKugel hat 7 Centimctcr im Durchmesser, und die Röhre ist sehr fein, so daß einGrad eine Länge von ungefähr 95 Millimetern einnimmt, daß also Vioo Gradnoch fast eine Länge von l 1 hat; man kann demnach noch die Hälfte von ViooGrad ablesen. Das Thermometer geht nur bis auf 16", es hat aber oben einkleines Behälter, in welches das Quecksilber hineinsteigen kann, wenn etwa dieTemperatur über 16° steigen sollte.

Dieses Thermometer zeigt nun eine constante Temperatur von 11,82°®.,und diese Temperatur hat sich seit einem halben Jahrhundert nicht geändert.

Die Tiefe, in welcher die jährlichen Temperaturschwankungen verschwinden,ist nicht in allen Gegenden dieselbe; sie hängt von der Leitungsfähigkcit desBodens, vorzüglich aber auch von der Größe des Temperaturunterschiedes derheißesten und kältesten Jahreszeit ab. In der heißen Zone Amerikas fandBoussingault schon in einer Tiefe von 5 bis 6 Decimetern eine constanteTemperatur, weil hier die Wärme ziemlich gleichförmig über die verschiedenenZeiten des Jahres verbreitet ist.

Wie mit zunehmender Tiefe die jährlichen Veränderungen der Temperaturabnehmen, ersieht man aus folgenden Resultaten, welche die zu Brüssel in dieserBeziehung von 1834 bis 1837 angestellten Versuche geliefert haben.

- Schwankungen der Temperatur

im Laufe eines Jahres.

0,19 m

0,45

0,75

1,00

1,95

3,90

7,80

13,28°

12,44

11,35

10,58

7,59

4,49

1,13

Vergleicht man die Beobachtungen von Paris , Straßburg , Zürich undBrüssel, so ergiebt sich, daß die jährlichen Schwankungen ungefähr in einerTiefe von 24 Metern verschwinden.

Da die Wärme nur allmälig von der Oberfläche in die Tiefe eindringt, soist klar, daß in der Tiefe das Maximum der Temperatur später erreicht wirdals in der Atmosphäre, wie dies auch folgende von Forbes in Edinburgh inverschiedenen Bodenarten angestellte Versuche bestätigen.