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Viertes Buch. Zweites Capitel.
196 Bestimmung der magnetischen Declination. Früher wandte manzur Bestimmung der magnetischen Declination nur Apparate an. welche nach demPrincipe der Declinationsbussolen construirt waren. Wenn die magnetische Areder Nadel mit der geometrischen, d. h. mit der Verbindungslinie der beidenSpitzen zusammenfiele, so würde man an dem getheilten Kreise der Bussole un-mittelbar die Declination ablesen können, vorausgesetzt, daß das Instrument soaufgestellt ist. daß die Verbindungslinie der Theilstriche 0 und 180 genau inden astronomischen Meridian füllt.
Im Allgemeinen ist aber diese Bedingung nicht erfüllt, d. h. die magnetischeAxe der Nadel weicht in der Regel mehr oder weniger von der geometrischen ab.Dieser Fehler wird nun durch die Methode des Umkehrens corrigirt.
Zu diesem Zwecke ist die Nadel nicht auf ihrem Hütchen befestigt, sondernnur aufgelegt, so daß man sie abheben, umkehren (d. h. die bis dahin nachoben gerichtete Fläche nach unten wenden) und dann wieder auflegen kann. I»Fig. 239 stelle z. B. ab die Lage einer horizontalen Magnetnadel dar. deren
magnetische Ape in dieLinie d c fällt, so ist dieGradzahl. auf welche dieSpitze a der Nadel deu-tet. offenbar kleiner alsder gesuchte Declina-tionswinkel. Legt manaber nun die Nadel inder angegebenen Weiseum. so nimmt sie jetztdie Lage a‘ b‘ an, undes deutet die Spitze a‘der Nadel auf eine Grad-zahl. welche um eben soviel zu groß ist. wiesie vorher zu klein war;man erhält also denwahren Werth der Decli-nation, wenn man aus
den beiden Ablesungen bei a und a' das Mittel nimmt.
Die Methode des Umlegcns muß auch noch angewandt werden, wenn mandie absolute Declination eines Ortes mit Hülfe von Spiegel tragenden Magnetenbestimmt (Lehrbuch der Physik, 4. Aufl. Bd. II.), da man es doch nicht wohldahin bringen kaun, daß die Ebene des Spiegels absolut rechtwinklig zu dermagnetischen Are des Magnetstabes ist. Es versteht sich von selbst, daß der Spiegelmit dem Magneten auf eine unveränderliche Weise verbunden ist. so daß er beidem Umlegen mit umgedreht wird. wenn man die Methode des Umlegens inAnwendung bringen will. mag sich nun der Spiegel am vorderen Ende desMagneten befinden oder an seiner Umdrehungsaxc; im letzteren Falle wird sich
Fig. 239.