Band 
Lehrbuch der kosmischen Physik.
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Der Erdmagnetismus.

Die Gauß'sche Theorie läßt sich ohne Hülfe höherer Rechnung nicht ent-wickeln, da es sich hier darum handelt, das Zusammenwirken aller magneti-schen Kräfte, die keineswegs gleichförmig und regelmäßig vertheilt sind, in ma-thematischen Formen darzustellen; wir müssen uns also darauf beschränken, dieGrundideen dieser Theorie anzudeuten.

Die Grundlage der Gauß'schcn Theorie ist die Voraussetzung, daß diecrdmagnctische Kraft die Gesammtwirkung der magnetisirten Theile des Erzkör-pers ist. Das Magnetisirtsein stellt er sich als eine Scheidung der magneti-schen Flüssigkeit in der Weise vor, wie wir dies im Lehrbuche der Physik, Bd. II.,S. 8, entwickelt haben. Eine Vertauschung dieser Vorstellungsart mit der Am-pörc'schcn würde in den Resultaten nichts ändern. Dies vorausgesetzt, wirddie Gesammtheit aller magnetisirten Theile des Erdballs auf jeden Punkt imRaume eine bestimmte Wirkung ausüben, und diese Wirkung wird von einemPunkte des Raumes zum anderen sich ändern müssen. Wir haben hier nurdiejenigen Punkte des Raumes zu betrachten, welche auf der Erdoberfläche lie-gen. Zunächst ist demnach klar, wie auch der freie Magnetismus im Innerender Erde vertheilt sein mag, die Wirkung wird in verschiedenen Punkten derErdoberfläche nicht dieselbe sei», sie wird von der geographischen Länge undBreite des Ortes abhängen, den man gerade betrachtet. Die Wirkungen desErdmagnetismus müssen sich also durch Gleichungen ausdrücken lassen, in de-nen die Länge und die Breite die veränderlichen Größen sind; die Constantendieser Gleichungen aber hängen von der Art und Weise ab, wie der freieMagnetismus in der Erde vertheilt ist.

Zunächst entwickelt Gauß auf diese Weise eine Gleichung für den Werthdes magnetischen Potentials, einer Größe, aus welcher sich die Wertheder nördlichen, westlichen und verticalen Composante der erdmagnctischen Kraftund aus diesen dann wieder Declination, Jnclination und totale Intensitätleicht berechnen lassen.

Das magnetische Potential, welches also zunächst als eine wichtigeHülfsgrößc für die Berechnung des Erdmagnetismus dient, hat aber auch einephysikalische Bedeutung. Denken wir uns an irgend einer Stelle der Erdober-fläche eine verticale Röhre angebracht, deren Querschnitt 1 Quadratmillimcterbeträgt, und diese Röhre bis zu einer Höhe, in welcher die Wirkung des Erd-magnetismus unmerklich wird, mit nordmagnetischem Fluidum in der Weise ge-füllt, daß jedes Cubikmillimeter 1 Maß (nach der bekannten absoluten Einheitdieses Fluidums) enthält, so stellt uns das magnetische Potential den Druck dar,welchen der Boden dieser Röhre dadurch auszuhalten hat, daß der Erdmagne-tismus die in der Röhre enthaltene Flüssigkeit anzieht; da, wo das nordmagne-tische Fluidum von dem Erdmagnetismus abgestoßen werden würde, hat mansich die Röhre in gleicher Weise mit südmagnctischcm Fluidum gefüllt zu denken.

In den Karten Fig. 265, 266 und 267 (a. f. S.) sind die Linien gleicherWerthe des magnetischen Potentials dargestellt; die beigeschriebenen Zahlen be-ziehen sich nicht auf absolutes Maß, sondern aus eine willkürliche Ein-

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