Band 
Lehrbuch der kosmischen Physik.
Seite
506
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50C Viertes Buch. Zweites Capitel.

Bossckop liegt an einem vielbuchtigcn Fjord, in welches sich dasFlüßchenAlten ergießt, umgeben von Tannenwäldern und Schneebcrgcn, deren Kamm sichzu einer Höhe von 5 bis 7° über den Horizont erhebt.

Dom September 1838 bis zum April 1839, in einem Zeiträume von. 206 Tagen, beobachtete man daselbst 143 Nordlichter, und zwar 64 während derlängsten Nacht, welche in jenen Gegenden vom 17. November bis zum 25.Januar dauert. Lottin beschreibt das Phänomen in folgender Weise.

»Des Abends zwischen 4 und 8 Uhr färbt sich der obere Theil des leichtenNebels, welcher fast beständig nach Norden hin in einer Höhe von 4 bis 6«herrscht; dieser lichte Streifen nimmt allmälig die Gestalt eines Bogens von blaß-gelber Farbe an, dessen Ränder verwaschen erscheinen und dessen Enden sich aufdie Erde aufstützen.

»Dieser Bogen steigt allmälig in die Höhe, während sein Gipfel stets nahein der Richtung des magnetischen Meridians bleibt.

»Bald erscheinen schwärzliche Streifen, welche den lichten Bogen trennen,und so bilden sich Strahlen, welche sich bald rasch, bald langsam verlängernoder verkürzen. Der untere Theil dieser Strahlen zeigt immer den lebhaftestenGlanz und bildet einen mehr oder weniger regelmäßigen Bogen. Die Längeder Strahlen ist sehr verschieden, sie convergircn aber nach einem Punkte desHimmels, welcher durch die Richtung des Südendes der Jnclinationsnadel an-gedeutet ist. Manchmal verlängern sich die Strahlen bis zu diesem Punkte undbilden so ein Bruchstück eines ungeheuren Lichtgewölbes.

»Der Bogen fährt fort, gegen das Zenith hin zu steigen; in seinem Glänzezeigt sich eine undulatorische Bewegung, d. h. der Glanz der Strahlen wächstder Reihe nach von einem Fuße zum anderen; diese Art Lichtstrom zeigt sichoft mehrmals hinter einander, aber häufiger von Westen nach Osten als inentgegengesetzter Richtung. Manchmal, aber selten, folgt die rückgängige Be-wegung unmittelbar auf die erste, und wenn der Glanz der Reihe nach alleStrahlen von Westen nach Osten durchlaufen hat, nimmt seine Bewegung eineentgegengesetzte Richtung an und kehrt zu seinem Ausgangspunkte zurück, ohnedaß man eigentlich recht sagen kann, ob die Strahlen selbst eine horizontaleBerrückung erleiden, oder ob sich der Glanz von Strahl zu Strahl fortpflanzt,ohne daß die Strahlen ihre Stelle verändern.

»Der Bogen zeigt auch in horizontaler Richtung eine Bewegung, welche denllndulationen oder Biegungen eines vom Winde bewegten Bandes oder einerFahne nicht unähnlich ist. Manchmal verläßt einer der Füße oder selbst beideden Horizont; dann werden diese Biegungen zahlreicher und deutlicher; der Bo-gen erscheint nur als ein langes Strahlenband, welches sich entwickelt, sich inmehrere Theile trennt und graziöse Windungen bildet, welche sich fast selbstschließen und das bilden, was man wohl die Krone genannt hat. Alsdannändert sich plötzlich die Lichtintcnsität der Strahlen, sie übertrifft die der Sterneerster Größe; die Strahlen schießen mit Schnelligkeit, die Biegungen bilden undentwickeln sich, wie die Windungen einer Schlange; nun färben sich die Strahlen,die Basis ist roth, die Mitte grün, der übrige Theil behält ein blaßgelbes Licht.