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1 (1851) Der schweizerische Jura : seine Gesteine, seine Bergketten, Thäler und Gewässer, Klima und Vegetation / von J. Siegfried
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beigesellt; mit einer Lufthülle hat er den Erdball um-geben, und an sie dessen Bestellen und das Leben der Mil-lionen Geschöpfe geknüpft, die ihn bewohnen, damit so alleTheile des unermesslichen Ganzen eine wundervolle Wech-selwirkung verbinde.

Wie nun durch die Thätigkeit seiner Bewohner im Laufeder Jahrhunderte unser Vaterland an vielen Orten ein ganzanderes Aussehen erhalten, so hat seinerseits der Boden mitseinem Klima und den niemals rastenden Kräften der Na-tur, seiner Pflanzen- und Thierwelt einen mächtigen Einflussauch auf die Bewohner geäussert und der ganzen Entwicke-lung derselben in politischer und culturgeschichtlicher Be-ziehung ein bestimmtes, gerade das betreffende und kein an-deres Gepräge aufgedriickt. Land und Volk stehen daherüberall in inniger natürlicher Verbindung, ein Gesichtspunkt,den auch die Beschreibung festzuhalten suchen wird. Den-noch würde ich zu sehr in das Gebiet der politischen Ab-theilung unserer Vaterlandskunde hinüber schweifen, wollteich die Völker- und Sprachenstämme eigens anführen, welche,gleich den Bodenformen und den Stromgebieten, in unsermkleinen aber unendlich merkwürdigen Lande auf einer hin undher wogenden Linie, der Völker- und Sprachenscheidedes südwestlichen Europas, einander begegnen; wenn ichferner in ihren verschiedenen Beziehungen die Grenzliniebeschreiben wollte, welche, in Folge der geschichtlichen Ent-wickelung und des Verhältnisses der Bewohner unsers Lan-des zu denen die sie umgeben, allmälig durch Verträge fest-gestellt oder bloss durch Herkommen angenommen, unsernTheil an den genannten Bodenformen, Strom- und Sprach-gebieten uns anweist; wenn ich dann die durch diese poli-tische Grenzlinie bedingte Gestalt unsers Landes, dessel-ben I^ängenverhältnisse in verschiedenen Richtungen auffas-sen und die durch diese Linie von uns gesonderten Nach-barstaaten aufzählen wollte, deren Schicksal tief ein-greil't in unser Volk- und Staatslehen. Was für unsernZweck nüthig, bietet uns die Karte, so dass, um wenigstenseine Vorstellung von der Ausdehnung unsers Landes zu ge-währen, ich mit Angabe des Flächeninhaltes mich be-gnügen darf, welcher (ohne Rücksicht wie gewöhnlich aufvertikale Erhebung), zu 730 geogr. Quadr. M. oder 1745 scliw.Quadr. Std. angenommen, nur um Weniges hinter der Wahr-heit zurück bleibt; denn die genaue Zahl, so wie deren Ver-theilung auf die Bodenformen, die Strom- und Sprachgebietemüssen wir von den Endergebnissen der trigonometrischenMessungen erwarten.