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1 (1798) Schilderung des Gebirgsvolkes vom Kanton Appenzell / von Joh. Gottfried Ebel
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wahrhaf'ig in einem ſo empoͤrenden Sinn Statt finde? Abſcheuliche Realitaͤt!! Des Aelplers Stolziſt eine ſchoͤne Sente Kuͤhe. Aber nicht zufrieden mit demGenuß ihrer natürlichen Schönheit, ſucht ſeine Eitelkeitauch Befriedigung. Er ſchmuͤckt ſeine beſten Kuͤhe mit gro-ßien an breite lederne Riemen haͤngenden Glocken aus, undbruͤſtet ſich darin, wie mancher Reiche in den galoniertenLibreen ſeiner Bedienten, wie mancher Staͤdter in ſeinenaufgeputzten Toͤchtern. Der Aufwand in ſolchen Glockenartet wirklich in kuxus aus. Jeder Senu hat ein Gelaͤut,welches aus drei, wenigſtens aus zwei Glocken beſteht,die unter einander, und mit dem Geſang des Kuhreibenharmonieren. Auf alle Maͤrkte, welche in dem Kanton Appenzell gehalten werden, bringt der Tyroler eineMenge ſolcher Glocken von allen Großen. Dieſe Glockenhaͤngen an breiten mit Figuren ausgeſchnittnen, und aus-genaͤheten ledernen Riemen, welche vermittelſt einer großenSchnalle um den Hals der Kuͤhe befeſtigt werden. Diegrote Glocke, welche mehr als einen Fuß im Durchmeſ-ſer haͤlt, oberhalb ſehr breit, bauchigt, und nach untenſchmaͤler zuſammen laufend, koſtet allein vierzig bis fun-zig Gulden, und das ganze Gelaͤut mit den Riemen bis-weilen 130 bis 140 Gulden, waͤhrend der ganze Anzugdes Sennen im vollen Staat nicht zwanzig Gulden werthiſt. Der ſchonſten ſchwarzen Kuh, wird die igroͤßte Glocke,und die beiden andern mindrer Groͤße den zwei ſchoͤnſtennach jener umgehangen; doch tragen ſie dieſen Putz nichttaglich, ſondern nur, wenn der Senn im Fruͤhjahr mitſeiner Heerde auf die Weiden und Alpen , aus einer in dieandere zieht, im Herbſt wieder herabkommt, und im Win-ter von einem Landmann zum andern wandert, um ſeineKuͤhe in Winterfutter zu ſtellen. Der Senn, welcher denganzen