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Untersuchungen über die physicalische Geographie der Alpen : in ihren Beziehungen zu den Phaenomenen der Gletscher, zur Geologie, Meteorologie und Pflanzengeographie / von Hermann Schlagintweit und Adolph Schlagintweit
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ANHANG. Ober einige bergspitzen dieser gruppen.

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nach allen Seiten steil abfällt. Nur stellenweise können sich Schneelagen an seinen Wän-den erhalten. Wir erreichten dieselbe um 11 Uhr, nachdem wir um 3 Uhr Morgens dieHütte verlassen hatten. Die günstige Witterung erlaubte uns, mehrere Stunden auf demGipfel unseren Beobachtungen zu widmen. Wir theilen hier eine Ansicht der beidenletzten Spitzen mit.

Der Standpunct war etwas unterhalb der ersten Spitze. Dieselbe ist sehr schmal

und schneebedeckt. Sehr nahe demGipfel sieht man eine kleine schwarzeLinie. Es ist dieses ein sehr massiverHolzkasten mit einer eisernen Hülle,welcher von Fürst Salm zur Aufbewah-rung eines Barometers errichtet wurde.Derselbe ist so fest in den Felsen ein-gerammt, dass er sich schon seit 50Jahren erhalten hat. Wir öffneten den-selben und fanden das Barometer nochganz unversehrt, so dass wir seinenStand mit dem unseres Instrumentesvergleichen konnten. Zugleich mit demBarometer w 7 ar auch noch ein mächtiger Blitzableiter mit vier kleinen Windfahnen errichtetworden, um den Gipfel vor den Beschädigungen des Blitzes zu sichern und den Gross-glockner (11982 P. F. nach der damaligen Bestimmung von Schiegg, vermehrt uni die18 Fuss hohe Eisenstange) genau 12000 Fuss hoch zu machen. Jedoch schon nacheinigen Jahren war die Stange von Stürmen umgeworfen worden; wir fanden sieflach am Boden hingestreckt. Die Uebersicht über die umgebenden Alpenzüge ist sehrumfassend, da der Grossglockner den hervorragendsten Punct der ganzen Tauernkettebildet. Für uns war dabei besonders wichtig, den Pasterzenglotscher in seiner ganzenAusdehnung zu übersehen, indem sich so die Lage der Ogiven und Moränen ungemeindeutlich erkennen Hess. Die vorzüglichsten Neigungen, welche wir an verschiedenen

Stellen bestimmten, waren folgende :

Von der Salmshöhe bis zum Firnmeere des Gletschers . . . 810°

Steile Firnlager von dem Bergschrunde bis zur Hohenwarthe . 35°

Von der Hohenwarthe bis zur Adlersruhe mittlere Neigung ... 17°

C u

Von der Adlersruhe bis zur ersten Spitze J mitllere Nci S un S ' ' 28 °

( grösste Neigung . . - £9°

Felswände der zweiten Spitze gegen die Scharte.39°

Felswände gegen die Pasterze oft nahe an.70 bis 80°

Wir bemerken hier, dass 25 30° die grösste Neigung ist, in welcher sich locke-rer Schnee zu erhalten vermag; Firn und Hörner-Eis bedecken aber in steilen Lagen dieAbhänge aller hohen Alpengipfel; Neigungen zwischen 45 und 50° sind hier nicht selten :

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Fig. 63.

c b

Gipfel des Grossglockncrs.

a. Zweite Spitze, b. Erste Spitze, c. Barometerkasten.

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