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Untersuchungen über die physicalische Geographie der Alpen : in ihren Beziehungen zu den Phaenomenen der Gletscher, zur Geologie, Meteorologie und Pflanzengeographie / von Hermann Schlagintweit und Adolph Schlagintweit
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CAI>. VW. HYPSOMETRISCHE BESTIMMUNGEN.

sie wurden z. li. auch am Col du Geant von Eue de Beaumont beobachtet und vonFohbks und Studer am Col de Fenötres (Studer physik. Geographie, Seite 227).

2. Die Wildspitze.

Wir nahmen den 18. September 1847 unsern Weg von Vent über Stablein zumRofnerkahrgletscher, und suchten von einem Kamme auf dem rechten Ufer desselben zurWildspitze zu gelangen. Schon um 10 Uhr erreichten wir hier ein Horn, hinter welchemsteile Felsen.wiinde jedes weitere Vordringen in dieser Richtung verhinderten. Wir stiegenüber einen schneebedeckten Abhang von 49° Neigung auf das Firnmeer des ltofnerkahr-gletschers hinab und wandten uns Uber dasselbe dem jenseitigen Kamme zu, welchersich mit geringen Unterbrechungen von der Spitze herabzieht. Ein sehr heftiger Nordost-wind erhob sich gegen 11 Uhr und war für das Weiterkommen sehr hinderlich. Etwaeine Viertelstunde, ehe wir den Gipfel erreichten, fanden wir eine Schneewand von 8FussHöhe und von einer Neigung nach einwärts (3°), eines jener wechselnden Gebilde auszusammengewehtem Schnee. Es machte uns einige Schwierigkeit, Uber dieselbe zugelangen. Um 3 Uhr 45 Minuten erreichten wir die östlichere Spitze (11489'). Etwa50 Fuss höher w r aren noch zwei westlichere Gipfel. Es führte zu ihnen eine Schneebrücke,die aber diesmal wegen des heftigen Windes nicht betreten werden konnte.

Auf dem Rückwege befolgten wir nur theilweise dieselbe Richtung. Wir verliessenbeim »wilden Mandl« den Kamm und gelangten Uber den Gletscher des Rolhenkahres um6/ 2 Uhr zu den ersten Alpenhutten 1 ). Ausser einem fruchtlosen Unternehmen zweier Be-wohner von Sölden vor ungefähr 60 Jahren ist uns kein weiterer Versuch der Besteigungbekannt geworden.

3. Der Similaun .

Wir erreichten diesen in derselben Gebirgsgruppe gelegenen Gipfel (11135 Fuss) am13. Sept. 1847 von »unserer lieben Frau« im Schnalserthale aus, Uber den Grafgletscherohne besondere Sclrwierigkeiten. Da wir von seiner Spitze nicht mehr nach Schnals zu-rückkehrten, sondern auf das Niederjoch hinabstiegen, fanden wir hier eine bedeutendeNeigung und sehr zahlreiche Firnspalten 2 ).

1) Balthasar Winkler (gewöhnlich Bindf.rhauser genannt), ein Ilirte aus dem Passeierthale, be-gleitete uns bei dieser Gelegenheit mit vieler Ausdauer. Einen zweiten Führer konnten wir nicht er-halten.

2) Die Führer waren Michael Rofeiner und Johann Dumbner, beide Arbeiter im Oberbrettererhofoin Schnals .