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CAP. XIX. DIE PERIODISCHEN ERSCHEINUNGEN DER VEGETATION.
Zeit von dem Erwachen der Vegetation bis zur Heuernte 13 y 2 Tage für je lOOOFuss (100 Meter= 4,25 Tage). Obgleich diese Zahlen nur aus kürzeren Beobachtungen abgeleitet sind,so scheinen sie doch erkennen zu lassen, dass im Jura, ebenso wie es die Mittel für dieAlpen ergeben, eine grössere Verzögerung der Vegetationsentwickelung in der Ernte undim Herbste überhaupt als in den Frühlingsmonaten stattfindet. Zugleich dürfen wir nocherwöhnen, dass die Verzögerung im Jura im allgemeinen sich bedeutender zeigt alsin den Alpen ; es wird dieses dadurch hervorgebracht, dass die höheren Stationen in demersteren Gebirge in sehr exponirter Lage sich befinden, wobei die geringeren Cerealien-culturen und der Mangel der Obstbäume schon das rauhe Clima erkennen lassen. •
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Einfluss climatischer Verhältnisse.
Unter den climatischen Bedingungen für die periodische Entwickelung der Vegeta-tion scheinen folgende von vorzüglicher Bedeutung zu sein: die mittlere Temperatur derLuft im Schatten und in der Sonne, die Gestalt der Temperaturcurve in kürzeren Periodenund die Grösse einzelner Extreme in Folge der Insolation und Strahlung, die Bodenwärmeund ihre Veränderungen, die Feuchtigkeit der Luft und des Bodens, die Bewölkung unddie Regenverhältnisse, der Druck der feuchten und trockenen Luft, die Winde, theilweiseauch die Electricität und andere. Dieser Gruppe von Einflüssen ist gemeinschaftlich, dasssie im allgemeinen von den Veränderungen der geographischen Lage, d.li. der Höhe, Breiteund Länge wesentlich abhängen. Mehr local, allein ebenfalls von grosser Bedeutungsind die Exposition, die Gestalt des Bodens, die Zusammensetzung und vorzüglich diephysicalischen Eigenschaften der Erde. Dazu kommen noch viele Unregelmässigkeiten,welche individuell einzelnen Pflanzen angehören; die letzteren dürften wohl bei der Be-trachtung verschiedener Pflanzen für Mittelwerthe verschwinden. Wie wichtig unter denerwähnten Einflüssen jener der Temperatur sei, lässt sich auch aus der Abhängigkeit er-kennen, in welcher die Vegetationserscheinungen einzelner Jahre von den betreffendenTemperatur Verhältnissen sich befinden. Sie treten bei grösserer Wärme stets früher, beigeringerer stets später ein als es im Mittel der Fall ist, obgleich dabei die übrigen Verhält-nisse des Climas gewöhnlich nicht in demselben Sinne, wie die Temperatur, ihren Ein-fluss ausüben. Dieser stete Zusammenhang mit den ni chtperiodischen Veränderungen derTemperatur lässt auch, wie Dove’s Untersuchungen bewiesen, für diese Erscheinung imallgemeinen die Wärme als die wesentlichste Bedingung erkennen. Der grosse Einflussder Temperatur, welcher sowohl unmittelbar, als besonders durch die vermehrte Ver-dunstung aus den Blättern wirkt, wurde auch mehrmals durch directe Beobachtungen überdas Wachsthum einzelner Pflanzen nachgewiesen. Munter 1 ), Harting 2 ) und Andere zeig-
1) Observationes phyto-physiologicae. Berol. 1841. u. v. Schlechtendahl’s Linnaea. Bd. XV. S, 209bis 242. Bot. Zeit, von v. Mohl u. v. Schlechtendahl. Bd. I. 1 843. S. 69. S. 753 u. s. f.
2) In der Zeitschrift von J. Van Hokven u. De Viuese. Leiden 1842. Bd. IX. S. 296 bis 348 u. Aus-