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Untersuchungen über die physicalische Geographie der Alpen : in ihren Beziehungen zu den Phaenomenen der Gletscher, zur Geologie, Meteorologie und Pflanzengeographie / von Hermann Schlagintweit und Adolph Schlagintweit
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CAP. XIX. DIE PERIODISCHEN ERSCHEINUNGEN DER \ EGETATION.

während ihrer ganzen Vegetalionszeit, oder während einzelner Abschnitte erhält, ist dem-nach sehr schwierig. Durch die Summe aller Grade über 0 ist sie noch nicht vollkommenausgedr'ückl: auch die Besonnung, die Vertheilung der Temperatur, besonders einzelneExtreme der Wärme sind dabei sehr wichtig 1 ). Jedoch scheint es, dass für eine Betrach-tung des Einflusses verschiedener Breiten und Höhen die Summe der Temperaturen, oderwie Qhktelet vorschlug, die Summe der Quadrate der Temperaturen 2 ) einen allgemeinenVergleiclnmgspunct gewähren kann.

Untersucht man für unsere Beobachtungen diese Verhältnisse, so scheint es nachbeiden Methoden, -dass viele Pflanzen an ihren höchsten Grenzen in den Alpen , ungeachtetder bedeutenden Verzögerung ihrer Vegetationsepochen, für dieselben Stadien der Entwicke-lung eine geringere Wärmemenge erhalten, als in den Ebenen 3 ). Wir konnten zu dieserBetrachtung besonders die meteorologischen Beobachtungen zuVent, IJeiligenblut und Sag-ritz benutzen, welche im Jahre 18 4 % 9 im Zusammenhänge mit Aufzeichnungen Uber dieEntwickelung der Pflanzen angestellt wurden. Der Zeitraum, welchen sie umfassen, schienuns jedoch zu gering, um die daraus hervorgehenden Zahlenangaben speciell anzuführen,um so mehr, da die Differenzen in einzelnen Jahren nach den interessanten Mittheilungenvon Dovf. 4 ) so sehr bedeutend werden können. Bei den Cerealien liess sich die geringere

achtet kein absoluter Stillstand eintritt. Besonders ist dieses bei den Coniferen der Fall, welche auch imWinter ihre Nadeln behalten. Annales de Chim. T. LIV. 2 <l " Serie. S. 134.

1) A. De Candolle versuchte die Entwickelung einzelner Pflanzen selbst, zusammengestellt mit dengleichzeitigen Temperaturen der Luft in der Sonne und im Schatten zur Beurtheilung der Entwickeluneder Vegetation im allgemeinen und in verschiedenen Jahreszeiten zu benützen. Bibi. univ. 1850 Sc. phys.XIII. S. 177192.

2) IIess in Stettin wies darauf hin , dass auch die relative Feuchtigkeit berücksichtigt werden kann,indem er das Product aus der Wärme und Zeit durch die relative Feuchtigkeit dividirt. Lajiont (Annalender Münchner Sternwarte 1849. S. CLXX1) bemerkt, dass sich derErscheinung eine Betrachtung besser an-schliessen würde, bei welcher im allgemeinen mehrere Potenzen der mittleren Temperatur, aber das Qua-drat der Extremabweichungen Vorkommen werden. Je weiter die zu untersuchenden Erscheinungen vondem Erwachen der Vegetation entfernt sind, desto übereinstimmender werden im allgemeinen die Resultatenach verschiedenen Methoden, weil sich während der längeren Zeit einzelne Verschiedenheiten immer mehrcompensiren.

3) Dass Schwankungen in der Wärmesumme durch die Natur der Pflanzen nicht ausgeschlossensind, zeigen auch A. De Candolles Beobachtungen. Es ergab sich , dass selbst bei den sorgfältigsten Ver-suchen mit Samenkörnern gleicher Arten die Wärmesumme unter scheinbar gleichen äusseren Umstän-den niemals genau dieselbe war, indem einzelne Pflanzen theils rascher, theils langsamer sieh entwickeln.Bibi, univers. 1850. S. 179.

4) Nach Beobachtungen von Vogt zu Arys in Ostpreussen , welche die Jahre 1836 bis 1 849 umfas-sen. Berichte der Berliner Academie. 1850. S.213. Die Differenzen in einzelnen Jahren,also die nichtpe-riodisehen Temperaturveränderungen werden, wie Dove (Zusammenhang der Temperatur mit der Ent-wickelung der Pflanzen. S. 364.) zeigte, auch noch in anderer Beziehung wichtig. Es folgen sich häufigmehrere günstige und ungünstige Jahre ; geschieht es, dass die erste Entwickelung einer Pflanze in eineReihe von günstigen Jahren fällt, so kann sie dadurch oft jene Grösse erlangen, welche ihr auch fürspätere Jahre die Existenz sichert; es ist dieses für das Acclimatisiren und für Culturversuche wichtig.Auch bei den höchsten vereinzelten Bäumen, welche sich oft in grosser Entfernung von den übrigen be-finden, können ausser der localen Bodenbeschaffenheit und anderen mehr zufälligen Umständen, die obengenannten Verhältnisse von JEinfluss werden. Wenn sie einmal ein Alter von einigen Jahren erreicht ha-