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Untersuchungen über die physicalische Geographie der Alpen : in ihren Beziehungen zu den Phaenomenen der Gletscher, zur Geologie, Meteorologie und Pflanzengeographie / von Hermann Schlagintweit und Adolph Schlagintweit
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CAP. XIX. DIE PERIODISCHEN ERSCHEINUNGEN DER VEGETATION.

VIII. Orte über der Getreidegrenze bis zur Schneegrenze.

Vent

5791'.

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Schmelzen des Schnees 10. his

15. Mai; es wird an manchen Stellenkünstlich durch Ausstreuen von Erde beschleunigt.

Anbau der Gartengewächse sehrbald nach dem Schneeschmelzen. Eswerden gepflanzt: Spinat. Salat, Kohl,Meerrettig, Mohn, Rettige, Rüben,Kresse, Zwiebeln, Kartoffeln, 15. bis20. Mai. Hafer wird ebenfalls gesäet,bildet weder Früchte noch Blüthen.Er dient nur als grünes Futter. DieGartengewächse werden zuweilen mitwarmem Wasser begossen und ihreersten Triebe Nachts bedeckt, um sievor Frösten zu schützen.

Erstes Grün der Wiesen 12. bis17. Mai. Das Gras ist gewöhnlichschon unter der Schneedecke ent-wickelt.

Erste Früh ti ngshlii then. Ane-rpone vernalis 9. Mai. Gentiana vernaund acaulis 1 4. Mai. Bartsia alpina

16. Mai. Primula villosa 23. Mai. Dieersten Blumen zeigen sich theilweisevor dem allgemeinen Schneeschmel-zen an einzelnen freien Stellen.

Die angegebenen Monatstage be-ziehen sich hier auf Mittel aus denJahren 1847, 1848 und 1 849.

Belaubung: Pinus Larix 29. Mai.Betula alba 3. Juni.

Bltithe von Rhododendron ferrugine-um; Beginn 22. Juni.

EintrittdesWinters 24. October.Die Oetz bedeckt sich jedes Jahr, un-geachtet ihrer grossen Schnelligkeitmit einer dicken Eiskruste, welchegewöhnlich 4 bis 4,5 Monate bleibt.

Die mittlere Vegotationszeit währtetwas über 5 Monate.

Schmelzen des Schnees 20. Juni.Es tritt hier etwas früher ein, als fürdiese Höhen im allgemeinen, wegender südlichen Exposition.

Erste Blüthen unmittelbar nachdem Schneeschmelzen; an hervor-ragenden Stellen, welche etwas früherschneefrei werden , bemerkt man inmanchen Jahren schon vorMitteJunieinzelne Blüthen.

Erstes Grün der Wiesen 24.Juni.

Zeit dervollen Blüthe der Mehr-zahl der Pflanzen 20. Juli.

Eintritt des Winters 9. Oct.

Vegetationszeit gewöhnlich vonMitte Juni bis Ende Sept. und AnfangOct.; der See inderNähe des Klostersbleibt von October bis Mitte Juni ge-froren.

Einzelne Jahre machen oft grosse Stü-

' rungen. Im warmen Jahre 1822 blühteAnemone vernalis an einzelnen aus demSchnee hervorragenden Stellen am24. März; das allgemeine Schnee-schmelzen trat am 10. bis 15. Mai ein.

Die Schneegrenze befindet sich in die-sem Thale (Leiterthal) zwischen 8300und 8400'; jedoch auf einzelnen Stel-len , z. B. der Salmshöhe, bemerktman noch eine ziemlich grosse An-zahl von Pflanzen.

Schmelzen des Schnees unge-fähr Mitte Juli. Aber in etwas ungün-stigen Jahren bleiben Schneelagenweit längere Zeit, theilweise selbstwährend des ganzen Jahres liegen.

Zeit d e r v o 11 e n B1 ü tli e Anfang Au-gust.

Eintritt des Win ters Ende Sep-tember.

Johannis-hütte undGamsgrabe

7581 '.

St. Bern-hardHospiz

7668'.

Salmshütte

8404'.

JaufenhaUS Schneeschmelzen 2. Juni.

6064'. Anbau der Gartengewächse 2.Juni (Rübe, Heftig, Salat).

Erstes Grün der Wiesen 5. Juni.Eintritt des Winters 20. Oct.Mittlere Dauer der Vegetationszeit4 '/s Monate.

Das Schmelzen des Schnees und das Erwachen der Vegetation wurde nur für diehöchsten Stationen in die speciellen Tabellen aufgenommen; für die tieferen Puncte be-zeichnen die früher angeführten Mittel für je tausend Fuss den allgemeinen Eintritt dieserPhänomene, welche nur bei etwas grösseren Höhendifferenzen deutliche und constanteUnterschiede erkennen lassen. Der Blattfall zeigt nach den einzelnen Arten der Bäume,nach der Exposition u. s. w. so bedeutende Verschiedenheiten, dass es uns im allgemeinennicht möglich war, bestimmte Angaben für denselben mitzutheilen, um so mehr, da oft schonin geringen Höhen die Zahl der Laubbäume, welche zu diesen Beobachtungen vorzüglichdienen könnten, sich so bedeutend vermindert. Der Eintritt der ersten Nachtfröste ist für