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1 (1827) Das Weltgebäude im Allgemeinen / von Johann Gottlieb Sommer
Entstehung
Seite
149
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Außer diesem Unterschiede des wahren und mittlernSonnentages kennen die Astronomen noch einen andernUnterschied der Lage. Man findet nämlich in astronomischenSchriften häufig auch die Ausdrücke Sternen tag undSternenzeit. Wir wollen sehen, was es mit denselben§ür eine Bewandtniß habe.

Die tägliche Fortbewegung der Erde in ihrer Bahnbringt die Erscheinung hervor, daß die Sonne am Himmeltäglich um ungefähr einen Grad nach Osten hin fortrückt.Wenn daher die Sonne heute Mittag mit einem gewissenSterne zugleich durch den Meridian ging, so steht sie morgenein wenig ostwärts von diesem Sterne, und sie wird folglichein wenig später, ungefähr 4 Minuten, durch den Meridiangehen als der Stern. Uebermorgen wird dieser Durchgangnoch später erfolgen, u. s. f. Die Zeit, welche also voneinem Meridiandurchgange der Sonne bis zum andern ver-stießt (oder die Länge eines wahren Sonnentages), ist etwasmehr, als die Zeit, welche die Erde zu einer Umwälzungum ihre Axe braucht. Außerdem weiß man auch aus demVorigen, daß der Sonne ungleiche Entfernung von der Erdeund die verschiedene Geschwindigkeit ihres scheinbaren LaufsUnregelmäßigkeiten hervorbringen. Den Astronomen ist esaber bei ihren Beobachtungen, und um diese mit den Beob-achtungen anderer Astronomen vergleichen zu können, umein genaues, unveränderliches Zeitmaß zu thun. Sie habendaher die Zeit, welche von einem Meridiandurchgange einesgewissen Sternes bis zu dem andern verfließt, oder, waseinerlei ist, die Zeit, welche der Sternhimmel braucht,um sich scheinbar ein Mal um die ganze Erde herumzudrehen,