Band 
Erster Theil.
Seite
312
JPEG-Download
 

312

Buch 1.

sten von Brasilien und Guiana modificirt, und nicht durchdie Fluthen des Oronoco und des Amazonenstroms, wie ei-nige Physiker behaupten.

Seit wir in die heifse Zone eingetreten waren, konn-ten wir jede Nacht die Schönheit des südlichen Him-mels nicht genugsam bewundern, welcher in dem Mafs,als wir nach Süden vorrückten, neue Sternbilder unsernAugen entfaltete. Man hat ein wunderbar unbekanntesGefühl, wenn man bey der Annäherung gegen den Aequa-tor, und besonders, wenn man von der einen Hemisphärein die andere übergeht, allmählig die Sterne niederer wer-den und zuletzt verschwinden sieht, welche man von sei-ner ersten Kindheit an kennt. Nichts erinnert einen Rei-senden lebhafter an die unermessliche Entfernung seinesVaterlandes, als der Anblick eines neuen Himmels. DieGruppirung der grpfsen Sterne, einige zerstreute Nebel-sterne, welche an Glanz mit der Milchstrafse wetteifern 5und Räume', welche durch, eine aufserordentliche Schwärzeausgezeichnet sind, geben dem südlichen Himmel eineeigenthümliche Physionomie, Dieses Schauspiel setztselbst die Einbildungkraft derjenigen in Bewegung, welche,ohne Unterricht in den höhern Wissenschaften, dasHimmelsgewölbe gern betrachten, wie man eine schöneLandschaft oder eine majestätische Aussicht bewundert.Man hat nicht nüthig Botaniker zu seyn, um die heifseZone bey dem blofsen Anblick der Vegetation zu erken-nen; ohne Kenntnifs in der Astronomie erlangt zu ha-ben, ohne mit den Himmels Charten von Flamstead undla Caille vertraut zu seyn, fühlt man, dafs man nicht inEuropa ist, wenn man das ungeheure Sternbild desSchilfs, oder die phosphorescirenden Wolken Magellansam Horizont aufsteigen sieht. Die Erde und der Him-mel, Alles nimmt in der Aequinoctial Gegend einen exo-• tischen Charakter an.

1