Kapitel XXVIII.
233
Zustande hervorzubringen, bedarf es des Zusammentref-fens von Ereignissen, deren Zeitpunkt voraushin zu be-rechnen unmöglich ist. Es sind die menschlichen Schick-sale dermafsen verwickelt, dafs eben jene Grausamkeiten,•welche die Eroberung beyder America’s mit Blut befleckthaben, sich unter unseren Augen in einer Zeit wieder-holten und erneuerten, die unserem Befinden nach durchdie gröfsten Fortschritte der Einsichten und durch allge-meine Sittenmilde ausgezeichnet ist. Ein Menschenlebenallein nur ist hinreichend gewesen, um die Schreckenszeitin Frankreich , den Kriegszug gegen Saint Domingue *),die politischen Reactionen von Neapel und Spanien zuerblicken: ich könnte hinzusetzen, die Mordscenen vonChio, von Ipsara und von Missolonghi , als Thaten derBarbaren des östlichen Europa’s, welche die civilisirtenVölker von West und Nord behindern zu sollen sich nichtberufen glaubten. In den Sclavenländern, wo durch langeAngewöhnung die ungerechtesten Institutionen einenSchein von Legitimität erhalten haben, darf man auf denEinflufs der Einsichten der intellectuellen Cultur und derSittenmilde so lange nicht vertrauen, bis durch diesegünstigen Verhältnisse ein von den Regierungen ausge-
*) North-American Review, 1821 , No. 50 , p. 116 . DerKrieg gegen Sclaven, die für ihre Freylxeit kämpfen, istnicht allein nur durch die Grausamkeiten verderblich,die er von beyden Seiten vcranlafst; cs werden dadurchauch späterhin noch, wenn einmal die Freymachung voll-endet ist, alle Begriffe von Recht und Unrecht verwirrt.„Einige Colonisten wollen die ganze männliche Bevölke-rung bis auf sechs Jahre hinab zum Tode verurtheilen.Sie behaupten, das Beyspiel, welches auch diejenigen,die keine Waffen trugen, vor Augen hatten, könne an-steckend werden. Dieser Mangel aller Mäfsigung ist eineFolge des langen Unglücks der Colonisten.“ Charault,Reflexions sur Saint - Domingue, 1806 , p. 16 .