236
Buch X.
r
eines Sturms an der africanischen Küste mit seinfei’ ganzenLadung zu Grunde. Wir haben durch diesen Schiffbrucheinen Theil der Doubletten unserer Herbarien verloren,und, was für die Wissenschaft ein empfindlicher Verlustist, alle Insecten, welche Hr. Bonpland unter sehr schwie-rigen Umständen auf unserer Reise an den Orenoco und fan den Rio Negro gesammelt hatte. Durch ein ganzaufserordentliches Mil'sgeschich sind wir in den spanischenColonien zwey volle Jahre verweilt, ohne einen einzigenBrief aus Europa zu erhalten: die Briefe, welche wir inden drey folgenden Jahren empfingen, meldeten nichtsvon dem Schicksale unserer Sendungen. Man begreift,wie grofs meine Unruhe über das Schicksal eines Tage-buchs seyn mufste, welches die astronomischen Beobach-tungen und alle mit dem Barometer angestellten Höhen-messungen enthielt, von denen ich eine vollständige Ab-schrift zu fertigen die Geduld nicht gehabt hatte. Erstnach zurückgelegter Reise durch Neu-Granada, Peru und 'Mexico , im Augenblicke, wo wir das neue Festland zuverlassen im Begriff standen, erblickte ich ganz zufälligauf der öffentlichen Bibliothek zu Philadelphia bey Durch-gehung des Registers einer wissenschaftlichen Revue dieWorte: „Ankunft der Handschriften des Herrn v. Hum-boldt bey seinem Bruder in Paris, über Spanien .“ Ichhatte Mühe meine Freude nicht laut werden zu lassen:und nie, däuchte mir, sey ein Register brauchbarer ver-fertigt gewesen. ,
Während Hr. Bonpland Tag und Nacht mit Verthei-lung und Ordnung unserer Sammlungen beschäftigt war,quälten mich tausend Hindernisse, die einer so unvorge-sehenen Abreise sich in den Weg stellten. Im Hafen derHavannah war kein Schiff zu finden, das uns nach Porto-belo oder Carthagena überfühi’en wollte; diejenigen Per-sonen, welche ich zu Rathe zog, waren geneigt mir die