84
BERICHT ÜBER DIE BESTEIGUNG EINIGER PUNKTE.
Panoramas ist die grosse Nadel des Mont-Cervin oder Matterhorns; die Entfernungvon dem Passe beträgt nur Kilometer.
Auf der Südseite befindet sich der Val-Tournanche-Gletscher, welcher nichtsehr ausgedehnt ist. Der Weg führt nur eine kurze Strecke über denselben 1 . Manverlässt ihn am linken Ufer in der Nähe der Fourneaux dessus, und kömmt dannüber Plan Torette und das Sommerdorf Breuil ins Tournanchethal.
Die Vincenthütte. 2 3162 M. 9734 Par. F.
Diese Hütte befindet sich auf dem Col delle Piscie, welcher von dem Lysthalein das Sesiathal führt; sie diente uns zu einem Aufenthalte von zwei Wochen, vom2. bis 16. September 1851.
Bei unsern Untersuchungen bot uns dieselbe einen sehr günstigen Standpunkt,nicht nur wegen ihrer grossen Höhe, sondern auch wegen ihrer freien Lage unmit-telbar am Rande von sehr steilen und hohen Abhängen, welche sich im Osten der-selben gegen den Emboursgletscher herabsenken. Hiedurch hatten wir Gelegenheiteinen sehr bedeutenden Theil von Piemont und der Lombardei zu übersehen, undhier die Bildung der Wolken, die optischen Erscheinungen der Atmosphäre u. s. w.zu beobachten.
Die Hütte war ursprünglich erbaut worden, um einige Erzgänge in ihrer Näheauszubeuten, welche vorzugsweise goldführenden Schwefelkies enthalten. Allein diegeringe Menge des Goldes und vor allem die bedeutenden Schwierigkeiten, in Folgeder hohen Lage dieser Bergwerke, bewirkten, dass dieselben seit vielen Jahrenwieder verlassen wurden.
Obgleich die kleine Hütte seit längerer Zeit ganz uubenützt geblieben war,fanden wir sie im Allgemeinen sehr gut erhalten. Anfangs jedoch gelang es unsnicht, die Thüre zu öffnen; es war nämlich das Schneewasser durch einige Spaltendes Daches eingedrungen, wodurch sich ein ziemlich grosser Kegel von Eis unmit-telbar hinter der Thüre gebildet hatte, welcher dieselbe fest verschloss; wir mussteneinen Theil des Daches abdecken, um dieses Hinderniss zu entfernen. Der Boden,welcher nicht mit Brettern bedeckt ist, war gefroren und blieb es auch währendunseres ganzen Aufenthaltes. Das Innere ist in zwei kleine Räume getheilt, wovon
1) In der Nähe der höchsten Stelle des Passes sind die Firnmassen sehr zerklüftet, besonders inden östlichen Theilen des Tournanchegletschers. Im Jahre 1852 (2ten Sept.) hatte Herr Welf, der Syn-diens von Gressoney la Trinite , den wir selbst während unseres Aufenthaltes im Lysthale kennen gelernthatten, das Unglück, in eine dieser Spalten zu fallen, die mit einer dünnen Sehneelage bedeckt war.Anfangs erhielt er sich einige Augenblicke in der Nähe des Randes, bald aber fiel er so tief hinab, dasser selbst durch die grössten Anstrengungen zahlreich herbeigeeilter Männer nicht gerettet werden konnte.Obgleich einer an einem Seile sehr tief in die Spalte hinabgelassen wurde, war es doch nicht mög-lich, den Verunglückten in der Tiefe auch nur zu sehen.
2) Vergl. die Ansicht der Vincenthütte Taf. X Fig. 2.