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ALI.GEM. BEMERK. Ü. 1). GEOLOGISCHEN VERHÄLTNISSE DER ALPEN.
andern an die Karpathen anlegend, diese beiden in ihrer geologischen Structur ohne-dies so analogen Gebirge noch näher verbindet.
In den westlichen Alpen hingegen, in der Schweiz und in Savoyen erlangen dietertiären Gesteine, besonders die so eigenthümliche grobkörnige Nagelflue, eine weitgrössere Mächtigkeit; sie bilden theilweise noch selbstständige Bergketten, und einigePunkte derselben, welche sich isolirt gegenüber dem Hauptalpenzuge erheben, ge-währen dann, wie der Rigi oder der Iliitliberg bei Zürich , eine höchst belehrendeund durch ihre Gegensätze so anziehende Uebersicht über die reichen Ebenen amFusse der Alpen auf der einen, und über die majestätische Reihe der Gipfel desHochgebirges auf der anderen Seite.
Zwischen den Sandsteinen und Conglomeratmassen finden sich an verschiedenenPunkten zahlreiche Pflanzenreste eingelagert, die Braunkohlen oder Lignite, 1 welche,wie ich kaum zu erwähnen brauche, sehr verschieden sind von den weit älteren Stein-kohlen. Diese Braunkohlen - Ablagerungen haben sich gebildet, indem die Bäumejener Wälder, welche auf den Höhen wuchsen, in die Tiefe der Wasserbecken ge-führt wurden.
Später haben neue Veränderungen der Erdoberfläche jene reiche Vegetation zer-stört, und man findet gegenwärtig nur noch in den wärmeren Zonen ähnliche Pflan-zenformen. Ihr Vorkommen in den Braunkohlen-Ablagerungen der Alpen beweist,ebenso wie die Arten der Thiere, deren Reste in den Felsschichten eingeschlossensind, dass damals in diesen Theilen Europa’s noch ein wärmeres Clima, ungefährähnlich jenem der Tropenländer, geherrscht haben muss.
Die ganze Reihe der Formationen, welche wir so eben in rascher Folge betrachtethaben, ist bei ihrer ersten Bildung, da sie stets durch Absatz der im Wasser schwe-benden Theilchen am Boden der Meere entstand, nahezu horizontal aufgeschichtetgewesen.
Wie verschieden ist ihre jetzige Stellung von der damaligen Lage. Die Schich-ten wurden gehoben, und sie befinden sich in sehr steilen, ja zuweilen fast vertikalenStellungen; überdies wurden häufig in grossem und kleinem Maassstabe sehr über-raschende Biegungen und Faltungen hervorgebracht. Diese merkwürdigen Abwech-selung der Schichtenstellung zeigen sich sehr vielfach in den Umgebungen des Vier-waldstädter See’s. In Fig. 2 Tafel V ist ein Beispiel derselben gegeben. 2 Schon
1) Vergl. L. v. Buch über die Lagerung der Braunkohlen in Europa ; Monatsberichte der BerlinerAkademie, Nov. 1851.
2) Der Durchschnitt der Gebirge an dem rechten Ufer des Vierwaldstädter Seesist Murciiison's Abhandlung (Quarterly Journal of the geolog. Society 1849. S. 195) entlehnt. Es könn-ten wohl, wie auch Muhchison andeutet, in den oberen Theilen der als Neocomien angegebenen grossenKalkmassen noch Ablagerungen der mittleren und oberen Kreide Vorkommen; da dieselben bis jetzt nichtspeciell untersucht und abgegrenzt wurden, so glaubte ich der Uebersicbtlichkeit wegen die ganzen Flä-chen mit derselben Farbe bezeichnen zu dürfen.
Die so merkwürdigen Biegungen und Unregelmässigkeiten in diesem Gebiete wurden sehr sorgfältig