Band 
[Textband.]
Seite
165
JPEG-Download
 

1TEBUNGS VERHÄLTNISSE.

165

Scliiefern, 1 deren Stellung dabei von seinem Auftreten im allgemeinen unabhängig istund zunächst durch die Beziehung ihrer Lagerungsverhältnisse zur Gneissmasse bedingtwird. 2 Nur am Riffelberge (Prof. 3) dürfte man vielleicht geneigt sein das anormaleund lokal beschränkte SiidwestfaUen der Schiefer mit der Entwickelung des Serpentinsund mit den mannigfachen Veränderungen der Schiefer selbst in Verbindung zu setzen.

Im Osten, wo der Gneiss der Monte-Rosa -Gruppe unmittelbar sich au jeneGesteine anschliesst, welche Studer unter der Benennung Tessiner Alpen zusam-mengefasst hat, scheint derselbe östlich von Pestarena, am Col d’Egua u. s. w. mitder später folgenden Zone des vertikal -stratificirten Gneisses zusammenzustossen. 3

Im Süden lässt sich die Wirkung der Monte-Rosa -Erhebung in den Thälernder Lys und in jenen von Ayas und Val - Tournanche ziemlich weit verfolgen.

An dem hohen Rücken, welcher im Westen von dem Lyskamme über dasBreithorn, den Theodulpass bis zum Matterhorn fortsetzt, sind die Lagerungsver-hältnisse ziemlich unregelmässig. Die Schichten sind im allgemeinen nur wenig ge-neigt und zuweilen nahezu horizontal; auf dem Matterjoch und an den Abhängenzu beiden Seiten fallen sie schwach nach W. N. W. oder bist W.; auf dem KleinenMont-Cervin 4 sind sie nach Saussure (§ 2256) etwas gegen S. W. geneigt, wahrendsie am Matterhorn oder Grossen Mont-Cervin unter viel stärkeren Winkeln bis zu45° nach S. W. fallen. Diese verschiedenen Neigungsverhältnisse der Schichten,ebenso wie die auffallenden Gebirgsformen und die breite Hochfläche, auf welchersich der Theodul- und der Furkegletscher befinden, machen es wahrscheinlich, wieauch Studer annimmt, dass hier in einer mächtig und gleichförmig erhobenen Ge-birgsmasse spätere Einstürzungen und Veränderungen der Schichtenstellung statt-fanden.

Im Nordwesten und Norden wird der Einfluss der Gneissmasse des Monte-Rosa auf die Erhebung der umgebenden Schiefer schon in einer Entfernung vonetwas mehr als 1 Meile durch das Auftreten eines neuen Gneisszuges begrenzt, 5welchen man mit Studer als Centralmasse der Walliser Alpen bezeichnen kann.Dieselbe trägt mit steiler, theilweise fächerförmiger Schichtenstellung die Gipfel

1) Die Begrenzung zwischen dem Serpentin und den Schiefern ist, wie ich bereits früher erwähnte,oft sehr unregelmässig. Man wird entschuldigen, wenn ich auf den Profilen, um ein allgemeines Bildder Lagerungsverhältnisse zu geben, so wie sie sich mir darstellten, die Grenzen zuweilen etwas be-stimmter ziehen musste, als sie vielleicht in einzelnen Pallen sein möchten.

2) Ich bedauere hierin nicht mit den Ansichten übereinstimmen zu können, welche Herr Engel-hardt in Beziehung auf die Serpentinerhebungen am Monte-Rosa in seiner an topographischem Detailso reichhaltigen neuen Arbeit (der Monte - Rosa und das Matterhorn - Gebirge S. 197. n. ff.) mitgetheilt hat.

3) Vgl. Saussure § 214S und Studer.

4) Der Cime brune des Breithornes von Saussure.

5) Vergl. Seite 157 und Profil 1.