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Die Richtung der Erhebungslinie scheint im allgemeinen von S. S. W. nach N.N. O. zu gehen; sic ist also parallel mit jener Hebungslinie, welche Eue de Beau-mont als System der westlichen Alpen bezeichnet hat. 1
Bei der geringen Neigung und der gleichförmigen Lage der Schichten konntejener langgezogene und ununterbrochene hohe Kamm gebildet werden, welcher denMonte-Rosa im Gegensätze zu andern Alpengruppen, z. B. dem Mont-Blanc, denBerner Alpen u. s. w., charakterisirt. Man unterscheidet auf demselben neun einzelneGipfel, welche auf dem Durchschnitte Taf. II dargestellt sind. Es scheinen die ein-zelnen Gipfel ihre Entstehung nicht specieilen Hebungen zu verdanken, von wel-chen man nirgends Andeutungen beobachtet. Da die vier nördlichen Gipfel in ihrerHöhe so wenig difleriren und verhältnissmässig nicht sehr bedeutend über denKamm selbst emporragen, 2 so können sie sehr leicht durch die ungleiche Verwit-terung des Glimmerschiefers hervorgebracht worden sein, welcher bald glimmer-reicher und schieferiger, bald quarzreicher und härter ist. Allerdings findet man gegen-wärtig ungemein wenig Verwitterungsproducte auf den Abhängen der Gipfel, da ihreSteilheit bewirkt, dass alle Trümmer auf die Firn- und Schneemassen des Ma-eugnaga- oder Gornergletschers hinabstürzen. 3 Weiter nach Süden von der Signal-kuppe bis zur Vincentpyramide vermindert sich die Erhebung der Gipfel ebenso wiejene des Kammes sehr bedeutend, und es sinkt z. B. die niedrigste und letzte Spitze,die Vincentpyramide, auf 13003' herab.
Die allgemeinen orographischen Verhältnisse schliessen sich sehr deutlich an diegeologische Structur dieser Gebirgsgruppe an; der Monte-Rosa bildet gleichsam dasCentrum, gegen welches von verschiedenen Seiten her mächtige Bergketten undlange Thäler ansteigen.
Der Serpentin scheint keinen Antheil an der Aufrichtung dieser Gebirge gehabt zuhaben. Er liegt, im Grossen betrachtet, mehr oder minder regelmässig zwischen den
1) Vergl. Elif. de Beaumont’s ausführliche Darstellung der verschiedenen Hebungssysteme in demWerke: Notice sur les systemes de montagnes. 3 Yol. 1852.
2) 180 bis 300 und höchstens 600 oder 650 Pass.
3) Beispiele für den bedeutenden Einfluss der Verwitterung auf die Zertrümmerung und Zerstörungder Felsen kann man allenthalben in den höheren Theilen der Alpen beobachten.
Ich habe in Fig. 2 Taf. XV einige sehr zerspaltene Gneissfelsen dargestellt, welche sich unmittelbarim Westen der Vincenthütte auf der Wasserscheide zwischen dem Lys- und dem Sesiathale befinden.Grosse Klüfte, 10 bis 30 Fuss tief, in ihren oberen Theilen 2 bis 9 Fuss weit, durchziehen das Ge-stein in allen Richtungen, so dass einzelne Felsenmassen dadurch völlig isolirt werden. An den Wän-den der Spalten erkennt man deutlich die nur sehr wenig geneigten und fast horizontalen Schichtendes Gneisses. Zunächst der Oberfläche ist der Zusammenhang der Schichten etwas gelockert, und ein-zelne grosse tafelförmige Massen sind vom Froste gänzlich losgesprengt. Die Knollen, welche mau beiaaa bemerkt, sind durch härtere Ausscheidungen von blauem und blaugrauem Feldspath veranlasst(vgl. S. 150), welcher mit weissem, feinkörnigem Quarz fest verwachsen ist, und oft ziemlich bedeutendüber das umgebende Gestein hervorragt.