Band 
[Textband.]
Seite
187
JPEG-Download
 

METHODE DER BEOBACHTEN«.

187

den ciugegraben. Die Thermometer waren so construirt, dass für die verschiedenenTiefen ihre Theilnng erst bei 0° oder +3° an der Oberfläche erschien. Zn den Beob-achtungen in Tiefen von 4 — 6 Centimetern wurden daher kleinere Taschenthermo-

O

meter gewählt, an welchen die Theilung bei etwa —10° C. begann. Da auf dieseWeise nur eine ziemlich kurze Quecksilbersäule über den Boden hervorragte, sowurde dadurch der grosse Einfluss, welchen im entgegengesetzten Falle die Tempe-ratur der Luft auf den Stand der Thermometer ausüben kann, sehr geschwächt.

Wie Qoetelet 1 und Forbes 2 bei ihren ausführlichen Beobachtungen gezeigthaben, erfordern alle Ablesungen von Thermometern, welche in den Boden einge-graben sind, eine Correction, weil die Quecksilbersäule von der Thermometerkugelbis zur Oberfläche des Bodens keine ganz gleichmässige Temperatur hat, und fernerweil jener Theil des Quecksilbers, welcher sich oberhalb des Bodens befindet, vonder jeweiligen Lufttemperatur afficirt wird. Diese Correctionen sind sehr wesentlich,wenn man aus einer längeren Reihe von Beobachtungen den Gang der Temperaturin verschiedenen Tiefen und die Grösse der Oscillationen darstellen will. Bei mei-nen Beobachtungen, welche nur kleinere Zeiträume umfassen, hielt ich es nicht fürnöthig ähnliche Correctionen anzubringen. Es war zunächst mein Zweck einige An-haltspunkte zur Vergleichung der Bodentemperatur in verschiedenen Höhen der Alpenzu gewinnen; bei den Temperaturdifferenzen, welche durch die Exposition des Ab-hanges, durch die Zusammensetzung und die Feuchtigkeit des Bodens u. s. w. anganz nahe gelegenen Punkten entstehen können, hätte, wie mir scheint, eine Cor-rection der Thermometerstände in dem obigen Sinne doch nur eine illusorische Ge-nauigkeit gegeben.

Bei meinen Beobachtungen wurden, wenn nicht das Gegentheil speciell bemerktist, die Instrumente in dem festen, mit Erde vermischten Schüttboden eingegrabenwelcher durch die Verwitterung der Felsen und durch die Zersetzung der Pflanzengebildet wird. In den höheren Theilen des Gebirges ist es oft schwer, hinreichendmächtige und regelmässige Anhäufungen von Schutt und Erde zu finden; auch bie-ten die grosse Festigkeit dieses Schüttbodens und die mächtigen Felsentrümmer,welchen man nicht selten begegnet, vielfache Hindernisse bei dem Eingraben derThermometer. Wenn es nicht möglich war dieselben bis zur gewöhnlichen Tiefe inden Boden zu bringen, so ist dieses in der Tabelle bemerkt. Die in Klammern bei-gesetzte Tiefe bezieht sich dann natürlich auf die Beobachtungen an dem betref-fenden Orte.

Die Oberfläche des Bodens war frei der Besonnung ausgesetzt und nicht mitVegetation bedeckt. Ich war stets bemüht ein möglichst horizontales, zusammenhän-gendes Terrain auszuwählen, von welchem man in Rücksicht auf seine Lage, auf

1) Annales du Pobscrvatoire royal de Bruxelles \1. 1845.

2) Transactious of the royal soeiety of Edinburgh . Vol. XVI, Part II.

24 *