206
TEMPERATUR DER QUEREN BODENSCHICHTEN.
Man kann nicht erwarten bei diesem ersten Versuche schon einen ganz be-stimmten Ausdruck für die Temperaturabnahme dieser Bodenschicht in verschiedenenHöhen zu erhalten.
Jedoch lassen die Zahlen der vorhergehenden Tabelle im allgemeinen erkennen,dass die Abnahme der Temperatur des Bodens, in Tiefen von 0,75 bis1 Meter, in den Monaten August und,September weit rascher ist,als die mittlere Abnahme der Quellentemperatur. (700 — 730' für 1° C.).Diese Erscheinung wird, zum Theil wenigstens, wohl davon abhängen, dass auchdie Abnahme der Lufttemperatur im Sommer viel rascher erfolgt als im Mitteldes Jahres. 1
Die Temperatur des Bodens näher der Oberfläche, in Tiefen von 50, 20 und 6Centm., ist zu sehr von den täglichen Wärmeveränderungen der Atmosphäre, selbstvon einzelnen Unregelmässigkeiten in derselben, abhängig, um aus den vorliegendenBeobachtungen mit einiger Wahrscheinlichkeit Zahlenwerthe für die von der Höhebedingte Temperatur-Abnahme in diesen Schichten angeben zu können.
2) Die Lage eines Punktes in Beziehung auf die Himmelsgegen-den hat einen sehr grossen Einfluss auf die Temperatur der oberen Bodenschichten.An Abhängen, welche gegen Süden und Südwesten gerichtet und den Besonnungensehr zugänglich sind, während zugleich, durch den Bergrücken selbst, die kaltenNordwinde abgehalten werden, bemerkt man, auch in Tiefen von 0,75 bis 1 Meter,eine bedeutende Erhöhung der Bodenwärme. 2 Als Beispiele können unter anderenangeführt werden: (Nr. 20) Pavillon, (21) Gadmen , und vorzüglich (19) Bödemie. Zwi-schen Gadmen (8475' 8,5°) und Zermatt (5086’ 11,5°) würde sich, wegen der zugrossen Wärme der oberen Station, die Temperatur in einer Tiefe v. 40—50 Centim.erst bei einer Höhendifferenz von 1130 P. F. um 1° C. vermindern. In Bödemie(5925') zeigte sich der Boden in einer Tiefe von 80 Centim. sogar etwas wärmer alsin Zermatt (5086') und als in Gressoney (4218’). Das Thermometer war in Bödemieallerdings auf einem sehr besonnten und geschützten Abhange eingegraben; in dergleichen Exposition befinden sich in dieser Höhe noch die letzten Getreideculturen.
Die Beobachtungen auf der Vincenthütte (9734'; Reihe 2 n. 3) lassen erkennen,wie gross auch hier der Einfluss der Exposition auf die Temperatur der oberen Bo-denschichten , bei 4 — 9 Centim., ist. Die Thermometer in den gegen Norden expo-
1) Für die Lufttemperatur beträgt die Abnahme im Sommer 440' bis 450', im Winter 620' bis 710'im Jahresmittel 540 P. F. Unters. S. 353.
2) Do ve hat, durch Vergleichung der Beobachtungen zu Chiswick , eine sehr belehrende Darstellungder Temperaturverhältnisse des freien, besonnten und des beschatteten Bodens in verschiedenenJahreszeiten gegeben. „Ueber den Zusammenhang der Wärmeveränderungen der Atmosphäre mit derEntwickelung der Pflanzen.“ Abhandl. d. Akad. zu Berlin , für 1844. S. 300. Es sind in dieser Ab-handlung viele sehr wichtige Betrachtungen über den Zusammenhang der Bodentemperatur mit dem Ge-deihen der Pflanzen enthalten.