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TEMPERATUR DER OBEREN BODENSCHICHTEN.
tetes Thal. Die Loisacli und die Kanker befinden sich hingegen in breiteren Thälern,von denen vorzüglich das letztere der Besonnung sehr zugänglich ist. Dessen ungeachtetscheinen alle drei Flüsse im September und wohl überhaupt während der ganzen eis-freien Periode des Jahres kälter zu sein als die mittlere Temperatur der Luft und alsjene des Bodens in einer Tiefe von 75 Centm. Der Grund hiervon dürfte darin zu suchensein, dass alles Wasser aus den höheren und daher kälteren Legionen rasch nach derTiefe gelangt und noch zum Theil seine niedrige Temperatur mit sich bringt. Fernerist das Wasser, welches aus den höheren Theilen des Gebirges kömmt, nicht nurkälter durch die geringere Temperatur des Quellwassers, sondern zugleich durch denZufluss aus schmelzenden Schneemassen 1 und aus kleinen Gletschern.
Es müssen daher im allgemeinen die Gewässer, welche aus den Hochregionen 2in die Gebirgskessel zusammenströmen, zur Erkältung der Luft und noch weit mehrdes Bodens in ihrer Nähe beitragen. Der oft wiederholten kleinen Ueberschwcm-mungen und die theilweise Versumpfung der Thäler bewirken, dass sich der erkäl-tende Einfluss der Gebirgsbäche auf die Thalsohle nicht selten weiter erstreckt, alsman erwarten sollte.
In den Wintermonaten ist das Verhältniss der Temperatur der Flüsse zurWärme der Luft nicht mehr dasselbe. In den Alpen ist der nicht gefrierendeTheil der Flüsse, welcher dann fast nur Zuflüsse aus wahren Quellen erhält, ent-schieden wärmer als die Lufttemperatur. Die letztere beträgt z. B. im Januar bei2050 P. F.— 2,5° C., bei 4000' —5,0°, bei 5900' —7,5°.
Bei grösseren Strömen wird das gegenseitige Verhältniss der Luft- und Wasser-wärme ein ganz anderes.
KeNou hat zuerst darauf aufmerksam gemacht, dass manche Flüsse in jederJahreszeit wärmer sind als die Lufttemperatur. Für die Loire bei Veudöme betrugder Unterschied im Jahresmittel 2,24° C. (Comptes rendus 28. Jul. 1852.) Auchdie Beobachtungen von Oscar Valin in Tours ergaben einen ganz ähnlichen Unter-schied. Babinet und in Uebereinstimmung mit ihm Lenou erklärten diese Erschei-nung als abhängig von der Absorption der Wärme durch das Flussbett, auf welcheein späteres Wiederausstrahlen der Wärme folgt. Sie bezeichnen diese Temperatur-
1) Da im Frühlinge und selbst zur Zeit des Temperaturmaximums im Sommer noch mehr Oberflächedes Hochgebirges mit Schnee bedeckt ist als im Anfänge des Herbstes, so wird der Unterschied zwi-schen Luft- und Wasserwärme im Herbste etwas geringer sein.
2) In den inneren Theilen der Alpen , in welchen die Bäche aus grossen Schnee- und Gletscher-massen entspringen, werden dieselben im Mittel noch mehr von der lemperatur der Luft abweichen.Vergl. die Beobachtungen der Temperatur einiger Gietscherbäche, in unseren Untersuchungen u. s. w. 1850S. 28.G und die Bemerkungen S. 289 und 280.
Den erkältenden Einfluss, welchen die Gletscher anf die Temperatur des Bodens in ihrer Nähe aus-üben, hat G. Bischof durch interessante Versuche in Grindelwald nacligewiesen. Wärmelehre S. 191bis 193 und S. 423.