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304 BEOBACHTUNGEN f’BER DIE TÄOI.ICTIEX VERÄNDERUNGEN DER TEMPERATUR.

Die Grösse der Abweichung ist mir sehr schwer zu beurtheilen, da sie sowohlvon der Gestalt des Bodens als auch von der Lebhaftigkeit der Besonnung undvon der Ausstrahlung sehr nahe gelegener beschatteter Punkte abhängt; es dürftedaher nur in wenigen Fällen möglich sein, sie direct bei der Berechnung der Höhenzu berücksichtigen. Einige Male, z. B. No. 58 S. 28. 29, war es durch andere nahegelegene Beobachtungen möglich, eine Verbesserung für die locale Wärme anzu-bringen. In den obigen Fällen schien es uns am passendsten ein indirectes Verfah-ren anzuwenden. Waren nämlich durch eine Reihe von Beobachtungen mit demBarometer, wie in Gressoney, Zermatt etc., und durch Berechnung nach mehrerenverschieden hohen Punkten die absolute Höhe desselben genauer bekannt, so wur-den für nahe liegende Punkte stets jene Stationen als correspondirende eingeführt,welche für die erstere die geringste Abweichung vom Mittel ergeben hatte. Dabei günstiger Witterung ähnliche Störungen vorzugsweise eintreten, aber dann zu-gleich der Thermometer- und Barometerstand häufig mehrere Tage hindurch sichgleichbleiben, so darf man wohl annehmen, auf diese Weise den Einfluss localerTemperaturunterschiede theihveise zu beseitigen. Sehr vortheilhaft fanden wir esauch, die Messung nach einer tiefer liegenden und einer höheren Station (St. Bernh.)zu berechnen, da in diesem Falle die locale Temperaturabweichung des zu berech-nenden Punktes im Resultate Unterschiede mit entgegengesetzten Zeichen ergiebt.Durch die Wahl des Aufhängepunktes des Thermometers lassen sich zwar die loca-len Störungen etwas vermindern; aber solche die von der Bodengestaltung im grossenabhängen, können dessen ungeachtet den wahren mittleren Verhältnissen, in derAllgemeinheit, wie sie die Barometerformel voraussetzt, nur wenig näher gebrachtwerden'.

B. Unregelmässige Temperaturvertheilung am 18. und 19. Sept. 1852.

Die Beobachtungen am Huthause im Ilöllenthale, deren Mittel bereits zur 'Ver-gleichung mit den Bodentemperaturen S. 188. 189 mitgetheilt sind, zeigten eine sehrauffallende Unregelmässigkeit der Temperaturabnahme bei dem Eintreten des Süd-westwindes. Seine hohe Temperatur bewirkte zugleich, dass auf grosse Streckendie Durchsichtigkeit der Luft sehr bedeutend war. Am St. Bernhard ist die Be-wölkung des Himmels an diesem Tag 0,03, wenn 100 den ganz bedeckten Himmelbezeichnet. Der grosse Feuchtigkeitsgehalt dieses Windes, der auf einige Tagevon bedeutend niedrigerer Temperatur folgte, bewirkte zugleich, dass sich in vie-

1) Als ein Beispiel solcher Verhältnisse will ich nur eines nennen, nämlich das rasche Sinkendes 1 hermonieters nach der Beschattung eines Thaies. Am 20. August, einem sehr reinen wolkenlosenläge, stand in Zermatt das r lIiermoinetcr um 4* 1 30 ; p. m. 1G,4°C.; es war dies der Moment, wo ebender Bergschatten die Thalsohle bedeckte. 10 Minuten später stand es auf 15,5, war also uni 0,9° C.gefallen.