Band 
[Textband.]
Seite
340
JPEG-Download
 

340

VEUTI1EII.UNG DER MITTLEREN TEMPERATUR.

Diese verschiedenen Beobachtungspunkte lassen sich bei näherer Betrachtungin 2 Gruppen unterscheiden; die eine zeichnet sich durch verhältnissmässig wenigkalte Winter aus, die andere durch strengere Winter und zugleich durch höhereSommerwärme. Wir haben schon früher versucht, diese Verhältnisse an einzelnendieser Stationen mit der Gestalt des Bodens zu vergleichen, und fanden dabei, dassAbhänge besonders auf südlichen Abdachungen entschieden zu dem ersteren, wenigerextremen Typus gehören; die Thalsohlen und die Ebenen am Fusse grösserer Ge-birge hingegen extremere Temperaturverhältnisse aufweisen. Wenn ich dies auchhier erwähne, so geschieht es nur um darauf aufmerksam zu machen, wie weit ver-breitet in Gebirgen ähnliche Einflüsse sind, und wie die direct beobachtete Wärme,nämlich jene in der Nähe des Bodens, verglichen mit mittleren Verhältnissen constanteAbweichungen zeigt, die sich auf das innigste an die Bodengestaltungen anschliessenund mehr oder weniger auf jeder Beobachtungsstation in Gebirgen Vorkommen.

Für die obere Station des Obir (III) ist noch zu erwähnen, dass sich der Februarim Durchsclmittte entschieden kälter ergab, als der Januar, eine Erscheinung, dieauch am St. Bernhard sehr häufig ist; obwohl im Mittel der Januar um 1,3° C.kälter ist als der Februar, zeigte sich doch im Zeiträume von 1811 bis 1850 113mal (in 32 Jahren, also nahe j), dass der Januar wärmer war als der Februar.

Die grössere Kälte des Februars dürfte an manchen Orten, zum Theile wenig-stens daher kommen, dass die kalte Duft der höheren Regionen, besonders jeneSchichten, die in der Nähe schneebedeckter Gipfel durch Strahlung erkaltet sind,längs den Abhängen sich senken In mittleren Höhen wird so die Luftwärme merklichdeprimirt, während in den Thälern selbst wegen des höheren Standes der Sonnebereits an einzelnen, wenn auch geringen Flächen, die Schneebedeckung unterbro-chen ist, und so eine theilweise Insolation des Gesteines möglich wird. Dass imFebruar gerade die Alpenweiden und ihre Umgebungen durch verhältnissmässiggrosse Kälte, gegenüber den tieferen Thalsohlen und Abhängen sich auszeichnen, istin den östlichen Alpen fast sprichwörtlich geworden 2 .

An den Obirstationen ist, wie sich von Prettnf.r’s Sorgfalt ohnehin erwartenliess, der Platz für die Instrumente so gewählt, dass dieselben von allen Störungenbefreit sind, die eben nicht durch die allgemeinen Verhältnisse der Oertlichkeit selbstbedingt sind; überdies theilte mir Herr Prettner über die Aufstellung der Instru-mente noch folgende speciellere Angaben mit: 3

„Die Lage von Obir I ist eine solche, dass sie sehr wohl die verhältnissmässighohe Wärme dieses Punktes erklärt. Das Huthaus liegt an der steilen Abdachungdes Berges gegen Süden; derselbe ist von Vegetation ziemlich entblösst, da er gros-

1) Vergl. Dove nicht periodische Aenderungen der 1 em peraturvertliei lang, Th. V. Berl. Ae. 1853S. 139 des Separatdruckes.

2) „Zu Lichtmess (Anfangs Februar) geht die Kälte auf die Alpen “.

3) I’kkttxeh in einem Briefe vom 18. Nov. 1852.