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BESTIMMUNG DEK LUFTTEMPERATUR AUS BAROMETRISCHEN BEOBACHTUNGEN. 4J5

auch für alle Stunden die gleiche mittlere Wärme in der Formel eingeführt werden,um einen constanten Höhenunterschied zu erhalten. Der Barometerstand selbst istaber eine Funktion der Wärmeveränderungen, und er wird, wie wir bei der Betrachtungder Barometercurve für hohe Orte sahen, auch an der oberen Station noch wesent-lich von der Erwärmung der Luft in der Nähe des unteren Beobachtungspunktesabhängig, indem die Hebung der Atmosphäre, die hier zur Zeit des Temperatur-maximums eintritt, an der oberen Station ein Maximum des Druckes in den erstenNachmittagsstunden hervorbringt.

Es ist demnach die Ileihe der aus den Barometerständen abgeleiteten Tempe-raturen ebenfalls vorzugsweise von der Wärme der unteren Station abhängig. Diesbewirkt, dass z. B. in Fällen wie der vorliegende, die für die flöhe von 5100'berechneten Temperaturen auch dann sehr wenig verändert würden, wenn für dieobere Station unmittelbar ein freier Punkt der Atmosphäre statt der wirklich vorlie-genden Beobachtungsstation eingeführt worden wäre. AVir können diesen Umstandbenützen, um zu beurtheilen, wie sich in der freien Atmosphäre in grösseren Höhendie tägliche AVärmeveränderung gestalten wird.

In Mailand ist das Maximum nahe um 2 Uhr eingetreten, in der freien Atmo-sphäre bei 5100' erst zwischen 5 und 6 Uhr Abends; da das Empordringen derwarmen Luftschichten ebenso wie die Wärmestrahlung dem Temperaturiiberschusseproportional ist, so wird das Fortschreiten des Maximums in der nächsten Schichtvon gleicher relativer Höhe noch mehr verzögert werden. Ohne eine bestimmteAnnahme zu machen, lässt sich doch erkennen, dass in Höhen von 10000 bis12000 Fuss in der freien Atmosphäre das Maximum in den späteren Abendstun-den eintreten müsste, während dann gleichzeitig die allgemeine nächtliche Erkaltungbewirkt, dass also überhaupt die Temperaturveränderung im Laufe der Tagesperiodefast Null wird.

Dieses Resultat ist an sich gar nicht überraschend; ich erwähnte es zunächstnur deswegen, um als einen sehr merkwürdigen Gegensatz dieser Verhältnisse dieTemperaturen hervorzuheben, welche man an schönen Tagen direct auf hohen Alpen-gipfeln, also auf Punkten beobachtet, wo noch immer eine kleine Gesteinsinsolationund die reflectirende Kraft der Schneewände eine Erwärmung hervorzubringen ver-mag. Selbst in Höhen von 12000 bis 14000 Fuss zeigt sich in den Mittagsstundeneine Erwärmung, welche entschieden die Temperatur der freien Luft übertrifft undNachts durch eine Erniedrigung durch Strahlung compensirt wird. In der folgendenTabelle sind die Beobachtungen auf sehr hohen Alpengipfeln 1 zusammengestellt.

1) Yergl. auch die oben S. 284 mitgetheilten Beobachtungen am Grand Plateau des Mont-Blanc12100 Par. F.