BESTIMMUNG DEI? LUFTTEMPERATUR AUS BAROMETRISCHEN BEOBACHTUNGEN.
Die tägliche Veränderung ist liier, ebenso wie es sich früher für die Vincent-hütte zeigte, weit geringer als die Veränderungen an jeder der einzelnen Stationen.
Die Grösse der täglichen Temperaturschwankung, der Unterschied der Extreme,beträgt für die freie Luft im Jahresmittel nur 1,5° C., in den kalten Monaten nur0,6° C.. in den warmen nur 2,5° C., während am St. Bernhard selbst für das Jah-resmittel der Unterschied der Extreme 4,7° C. erreicht 1 .
Die Abstumpfung der Extreme tritt noch deutlicher hervor, wenn man dieRechnung auf die Beobachtungen an einzelnen besonders kalten oder warmenStunden anwendet. Auch hier erleidet die Zeit der Extreme eine ähnliche Verspä-tung, wie wir sie bei den Resultaten aus Vincenthütte-Mailand besprachen. DasMaximum und Minimum tritt später ein als in beiden Stationen. Das Maximum inGenf findet um 2 Uhr statt, jenes der freien Luft auch bei einer mittleren Höhevon 3180 Fuss über Genf erst um 5 Uhr Abends. Das Minimum in Genf und amSt. Bernhard im Jahresmittel um 4 Uhr, hier um 7 Uhr.
Die Veränderungen sind hier während des Tages stets etwas grösser als in derNacht, sie zeigen aber, auch in der Nacht, ein noch weit deutlicheres Zu- und Ab-nehmen von Stunde zu Stunde, als die für Mailand - Vincenthütte berechneten Ver-hältnisse. Dies beruht theils auf dem etwas geringeren Höhenunterschiede der erste-ren beiden Orte, theils darauf, dass eine Linie von Genf nach dem St. Bernhardüber verhältnissmässig sehr gleichförmig ansteigendes Alpenterrain führt, währenddie Verbindungslinie zwischen Mailand und dem Monte-Rosa wegen des steilenAbfalles der Alpen gegen Süden bereits eine sehr beträchtliche Höhe, weit über5000', erreicht hat, wenn sie sich dem unmittelbaren Fusse des Alpenlandes nähert.
Der Unterschied zwischen der freien Luft und dem arithmetischenMittel der Stationen ist in der folgenden Tabelle enthalten. Plantamour hatzugleich darauf aufmerksam gemacht 2 , dass die Wärmeunterschiede in Höhenunter-schiede verwandelt werden können, indem man sie mit 7,5 m (= 23,1 P. F.) mul-tiplicirt. Dass sie dann etwas kleinere Werthe liefern als jene Correctionen, welcheoben S. 406 mitgetheilt sind, kann nicht überraschen, wenn man berücksichtigt, dassdiese auf 10jährigen mittleren Verhältnissen, also auf einer Zeitperiode beruhen,welche verhältnissmässig viel mehr Tage schlechten Wetters und geringer Besonnungeinschliessen, als Beobachtungen, welche zum unmittelbaren Zweck von Höhen-bestimmungen angestellt und dann vorzugsweise bei gutem Wetter gemacht werden.
Auch diese Reihen zeigen durch alle Monate für jene Stunden, an welchen dieWärme dem Tagesmittel sich nähert, nur sehr geringe Abweichungen. Die Wahldieser Stunden zu barometrischen Beobachtungen, verbunden etwa mit Berechnungennach verschiedenen correspondirenden Stationen, um die von der horizontalen Ent-
1) Auch die Berechnungen Denzler’s für die Stationen Bevers-St. Gallen, AVeissenstein - Solothurn,ergaben ganz ähnliche Resultate. Vergl. Mittheilungen der narurf. Gesellsch. Zürich . 1840. No. 35 n. 3G.
2) Resume S. 62.