GESTALT DES ERDSCHATTENS AM MONTE-ROSA.
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leuchtung und Beschattung bemerklicli machen. Bei der Beobachtung der Dämme-rungserscheinungen in den Ebenen können diese beiden begünstigenden Ursachennicht gleichzeitig eintreten, da bei etwas trüber Atmosphäre auch ihre Durchsich-tigkeit für den Beobachter geringer wird. __
Auf hohen Bergen aber können beide Umstände sich vereinen; ja an schö-nen Tagen geschieht es gewöhnlich, dass in den tieferen Theilen durch die Strah-lung der einzelnen Theile der Oberfläche die Erkältung, also auch die Vergrösse-rung der relativen Feuchtigkeit rascher nach Sonnenuntergang eintritt, als an denhöheren Punkten. In Folge davon ist an schönen Tagen, von einem hohen Stand-punkte gesehen, der Dämmerungsbogen bis zu einer Höhe von 6 bis 7° über demHorizonte stets von überraschender Schärfe; er ist so deutlich begrenzt, dass esnicht selten gelingt, im Schatten zugleich Unregelmässigkeiten der Contouren zuerkennen, die von grossen Erhöhungen unmittelbar westlich vom Beobachter her-riihren. Wir hatten Gelegenheit dies mit grosser Deutlichkeit und Regelmässigkeitvon der Vincenthütte am Monte-Rosa zu beobachten. Die Erhöhung^ die sich inder Mitte des Dämmerungsbogens befand und sehr deutlich als Hervorragung ge-sehen wurde, zeigte sich an jedem hellen Abend unmittelbar nach Sonnenuntergang.Sie war offenbar das Schattenbild der Monte-Rosa -Masse; ihr Auftreten war umso überraschender, da sie sich gerade dann zeigte, wenn gleichzeitig die Gipfel derAlpenkette in wunderbarer Klarheit vor uns ausgebreitet waren 1 .
Ueber die Dauer der Dämmerung nach dem Sonnenuntergänge in grossen Hö-hen sind bekanntlich sehr verschiedene Ansichten ausgesprochen worden; nach IIüGlist sie ungewöhnlich kurz, nach Saussure bemerkt man den Stand der Sonne nochbis spät in der Nacht durch einen lichten Schimmer am nordwestlichen Theile desHorizontes.
Ich glaube nach unserem wiederholten Aufenthalte in grösseren Höhen Saus-SURE’s Ansicht beistimmen zu können; nur dürfte die Angabe Saussure’s über dieHöhe der Helligkeit im Nordwesten, die er auf 8 bis 10° schätzt, etwas zu grosssein 2 . Durch directe Bestimmung mit einem Höhenkreise fand ich sie niemals über2 bis 3°. Dass sie grösser scheint, ist eine Folge der oft sich wiederholendenErscheinung, dass Gegenstände, die wir unter kleinen Höhenwinkeln sehen, stets zu
1) Bei wirklichen Nebelmassen findet häufig der Fall statt, dass man seinen Schatten auf dieNebelmasse projicirt sieht; auf dem Brocken ist diese Erscheinung, das sogenannte Brockengespenst,vielfach beobachtet worden. Auch in den Alpen, z. B. auf der Zugspitze am 10. September 1852, sahenwir dies sehr deutlich. Gewöhnlich sieht man den Schatten von farbigen Ringen umgeben, wenn dieErscheinung hei hinlänglicher Helligkeit und hohem Stande der Sonne eintritt. Von der hier ange-führten Modifieation des Erdschattens aber sind die Schatten auf Wolkenmassen in der unmittelbarenNähe wesentlich verschieden.
2) Saussuke Yoyages IV §. 2090.
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