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ÜBER EINIGE OPTISCHE ERSCHEINUNGEN DER ATMOSPHÄRE.
gross erscheinen, also auch zu hoch, wenn sie an ihrem unteren Ende vom Hori-zonte begrenzt werden 1 .
Diese geringe Höhe der Helligkeit über dem Horizonte bewirkt zugleich, dassin hoch gelegenen Thälern die Dunkelheit auch an heiteren Tagen sehr rasch nachdem Sonnenuntergänge folgen kann; da die Berge gewöhnlich eine Höhe über demHorizonte haben, welche die Höhe dieses halben Segmentes bei weitem übertrifft;ich glaube, dass dies zugleich die an sich gewiss richtigen Beobachtungen Hugi’serklärt, die zunächst stets in hohen Thälern oder Firnmulden, nicht auf iso-lirten Kämmen und Gipfeln gemacht wurden 2 .
Dieser Unterschied der Helligkeit und Höhe der Dämmerung scheint der Licht-vertheilung am Tage analog zu sein. Von hohen Bergen gesehen ist die Sonnescharf begrenzt und trennt sich, nur von wenig Strahlen umgeben, vom dunkelnFirmamente ab; während sie von den tieferen Theilen der Atmosphäre gesehen,stets von einem mehrere Grade breiten sehr hellen Scheine umgeben ist. Nach Son-nenuntergang bewirkt zwar die grosse Durchsichtigkeit, dass wir die beleuchtetenTheile des Horizontes im Westen deutlicher, also auch länger, erkennen, aber diegeringe reflectirende Kraft des Firmamentes scheint auch während der Nacht dieVerbreitung dieses Lichtschimmers zu beschränken.
2. Veränderungen des Horizontes.
Auf sehr hohen und zugleich so gelegenen Punkten, dass man eine weite Ebeneübersieht, lässt sich oft beobachten, dass der Horizont tiefer zu liegen scheint, in-dem uns durch die in der Tagesperiode sich ändernde Durchsichtigkeit der Luft dieäusserste Grenze der sichtbaren Objecte näher gerückt wird. Auch hier tritt alsoeine Depression ein, aber nicht durch Kefraction allein, sondern zum grössten Theiledurch die erwähnten Veränderungen der Durchsichtigkeit, welche bewirken, dassuns zu gewissen Tagesstunden die Grenze, längs welcher wir die Berührung derErde und des Firmamentes erkennen können, so viel näher gerückt wird, dass derUnterschied 4 bis 6 Grade erreichen kann, während die terrestrische Kefraction nurauf ungleich kleinere Winkel sich beschränkt.
1) Das bekannteste Beispiel ist die scheinbare Vergrüsserung der Sonnenscheibe in der Nähe desHorizontes; Sternbilder, auch Berge, Bäume und andere Gegenstände, wenn sie etwas fern sind, er-scheinen ebenfalls um vieles zu gross, wenn man sie mit einem kleinen Gegenstände vergleicht, der,wegen seiner Nähe, in gleicher Grösse erscheinen sollte. Der Eindruck auf verschiedene Personen istsehr ungleich. Ich glaube bemerkt zu haben, dass wiederholte Vergleiche dieser Art das Auge gewöh-nen , die gleichen Gesichtswinkel für grosse ferne und für kleine nahe Gegenstände etwas besser zubetirtheilen.
2) Hugi naturhistorische Alpenreisen S. 183.