Band 
[Textband.]
Seite
491
JPEG-Download
 

BEOBACHTUNGEN UN1> BEMEBKUNGEN ÜBER DIE CHEMISCHE WIRKSAMKEIT DES UCHTES. 491

über dem Horizonte; befindet sich der Beobachter so im Schatten, dass nicht sehrviel des Firmamentes, seitlich von der Sonne, verdeckt ist, so lässt sich an reinenTagen zu allen Stunden die Stellung der Sonne aus der Vertheilung der Helligkeitam Firmamente erkennen. In grossen Höhen aber fehlt der helle Raum neben derSonne, mit Ausnahme der Morgen- und Abendstunde, fast gänzlich, und die Hel-ligkeit des Blau ist so gleichmässig in jeder Richtung vertheilt, dass man im Schat-ten eines Berges stehend kaum anders als aus der Richtung des Schattens die Ge-gend, in welcher die Sonne steht, erkennen kann.

Einige kleine Beobachtungen am 28. Juli 1851 während der Sonnenfinsterniss, amRigi (5574'), zeigten, dass die Helligkeit der Sonne, wenn man sie ganz allgemein derGrösse der unbedeckten Fläche annähernd proportional setzte, ungleich langsamersich änderte, als die Färbung des Papieres. Hier hatte wohl ebenfalls die grosseDunkelheit des Himmels, also die bedeutende Verminderung des reflectirten blauenLichtes einen wesentlichen Einfluss; zugleich entstanden, wie sich von diesem Stand-punkte an den sonst weissen oder nur wenig röthlich-gelben Flächen der schnee-bedeckten Berge dieses schönen Panoramas erkennen liess, entschiedene Trübungendurch Condensation des Wasserdampfes, da die Temperatur dem Thaupunkte sichbedeutend näherte; gleichzeitig traten auch röthliche Färbungen an allen Schnee-bergen auf; diese Einwirkung der Atmosphäre auf das durchfallende Licht mussebenfalls wie zur Zeit des Sonnenauf- und Unterganges zur Verminderung der che-mischen Wirkung des Lichtes viel beigetragen haben. Die Färbung des Papiereswar vor der Finsterniss 28, um 4 Uhr, nahe der Zeit der grössten Dunkelheit,2,0, nach der Finsterniss, 5 h 10’, 22 K

Bei sehr sorgfältigen Beobachtungen über das Sonnenspectrum 1 2 , welche Kuhnin München während der Sonnenfinsterniss vom 28. Juli 1851 angestellt hatte, zeigtesich, dass die Linien und Streifen während der verschiedenen Phasen der Finster-niss denselben unveränderlichen Ort beibehielten, den sie zu anderen Zeiten einge-nommen haben, indem die Messungen, die vor, nach und während der Finsternissangestellt wurden, keine merklichen Unterschiede wahrnehmen liessen.

Die Intensität der Farben wurde nicht nur viel geringer als unter den gewöhn-lichen Verhältnissen gefunden, sondern es zeigten sich auch in Bezug auf die Aus-dehnung der Farbenstreifen besondere Unterschiede.

1) Dass die chemische Wirkung durch die gleichzeitig eintretende Färbung wesentlich verändertwar, liess sich aus folgender kleinen Beobachtung deutlich sehen.

In einem etwas verdunkelten Zimmer, in welchem die Färbung des Papieres in 15 .Secimden nur 2wird, ist es kaum möglich kleinen Druck in der gewöhnlichen Entfernung zu lesen. Am Rigi aberkonnten wir um 4 Uhr die Zahlen der Köhler sehen Logarithmentafeln ohne alle Anstrengung in derEntfernung des deutlichen Sehens lesen.

2) Bulletin phys. et mathem. St. Petersburg T. XI.