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494 VERBREITUNG UND AUSDEHNUNG DER GLETSCHER IN DEN VERSCHIEDENEN ALPENGRUPPEN.

Bei der Trennung der Gletscher erster und zweiter Ordnung, den primären undsecundären Gletschern, ist gewiss die Grösse einer der besten Anhaltspunkte. Mankann 15000 bis 18000 Fuss Längenentwickelung, mit Einschluss der Krümmungen,als Minimum für die Gletscher erster Ordnung annehmen. Aber secundäre Glet-scher im Allgemeinen unterscheiden sich zugleich durch ihre Lage, durch das ge-genseitige Verliältniss der Länge und Breite und durch ihre Neigung. — Sie liegengewöhnlich in hohen Seitenthälern, in muldenförmigen Vertiefungen der Bergzüge;

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sie sind also im Verhältnisse zu ihrer Breite weniger lang und gewöhnlich auch weitstärker geneigt. Nur an Punkten, wo grössere Gletscher fehlen, kömmt es bis-weilen vor, dass secundäre Gletscher durch ihre Lage im Ilauptthale und durchihre sehr geringe Neigung den primären ähnlicher werden. In diesem Falle musszunächst die Grösse entscheiden.

Zu den secundären Gletschern wurden im Folgenden auch einige ziemlich grosseund regelmässig gestaltete gezählt, wenn sie sich zur Seite eines Hauptgletschersbefinden und diesem so nahe stehen, dass sie bei einiger Ausdehnung mit ihm zu-sammenstossen und dann nur einen Zufluss desselben bilden würden. Als Beispielenenne ich den oberen Aletschgletscher im Berneroberlande, den Ilochjocbgletscherin der Oetzthalergruppe u. s. w.

Die Neigung allein kann am wenigsten über diese Eintheilung entscheiden. Beiden primären Gletschern ist sie zwar im Allgemeinen sehr gleichmässig und gering,8—10°. Bei den secundären Gletschern ist sie hingegen sehr verschieden. Ein-zelne, wie die Madatschgletscher, nordöstlich vom Gipfel des Ortles, sind sehrsteil; andere, z. B. der Rothemoosgletscher im Gurglerthale, sind eben so flach undregelmässig wie die primären Gletscher.

Das Auftreten der Gletscher in den Alpen ist auf die höheren Gruppen der-selben beschränkt. Sie erstrecken sich von dem nord-südlich streichenden Theile dercottischen Alpen über die ganze Masse der Centralalpen bis zu den östlichen Theilender Tauernkette.

Die südlichsten Gletscher sind jene in den französischen Alpen. Den östlichstenfand ich in Kärnthen (nach den österreichischen Karten) auf dem Ilafnerberge imVillacher Kreise.

In der Abschätzung sowohl der Zahl als der Grösse der Gletscher ist es nichtimmer möglich, alle Einzelnheiten mit Schärfe zu bestimmen. Um jedoch wenig-stens innerhalb der einzelnen Gruppen jene Verhältnisse erkennen zu lassen, welchemir als die wesentlichsten Anhaltspunkte dienten, werde ich im Folgenden die De-tails für die einzelnen Alpentheile vorlegen.

Ich möchte zugleich erwähnen, dass für die allgemeinen Resultate nur mitt-lere Werthe berücksichtigt wurden, und diese gerade durch die grosse Zahl der un-terschiedenen Gruppen den wahren Verhältnissen wohl ziemlich nahe gebracht sind.

In einer graphischen Darstellung (Tafel XVIII) versuchte ich die Vertheilung