Band 
[Textband.]
Seite
542
JPEG-Download
 

542 GEOLOGISCHE VERHÄLTNISSE DER ZUGSPITZE UND DES VETTERSTEINS.

Wänden auf, welche sich unmittelbar unterhalb des Kappenkopfes und des Brunn-berges auf der südlichen Seite hinziehen, man berührt sie am Wege von der Kofel-zur Wegl-Alpe.

Ob ein hornsteinreicher dolomitischer Kalk von hellgrauer und bräunlicher Farbe,welcher bei der Verwitterung und unter dem Hammer gewöhnlich in zahlreiche ek-kige Fragmente zerfällt, vielleicht noch mit zu der Orbitulitenkreide gerechnet wer-den muss, wage ich für jetzt nicht zu entscheiden. Er steht am Kamme des Brunn-berges und des Sonnenberges in dicken, steil nach Norden geneigten Bänken an.Auch an den Abhängen des Labers, zwischen der Laberalpe und dem Labergipfel,kommen einige ähnliche dolomitische Gesteine vor.

Unter den Versteinerungen sind vor allem charakteristisch und fast allenthalbenverbreitet zahlreiche Orbituliten; jedenfalls in zwei Species, wovon die eine mitOrbitulina concava Lam. die meiste Aehnlichkeit hat.

Ferner kam ein Bruchstück eines Ammoniten vor, an den Wänden südlich vomRappenkopfe, oberhalb der Weglalpe; dieser Ammonit stimmt, nach Hauer, mitkeiner bestimmten Art und ist wohl neu.

Auch fanden sich einige Ostreen, Nerineen, ein Turbo theils auf demSüdabhang des Rappenkopfes gegen das Graswangthal, theils in den Umgebungender Soile- und Nebele-Alpe.

Diese Ablagerungen scheinen in Beziehung auf die Beschaffenheit des Gesteinesund wahrscheinlich auch in Beziehung auf die Petrefakte mit ganz ähnlichen Schich-ten übereinzustimmen, welche Emmrich in der Ursclielau im Traungebiete beob-achtet und nach den dortigen, zahlreicheren Petrefakten zur Cenoman-Formationd’Orbigny’s gerechnet hat 1 .

Die Verbreitung der Orbitulitengesteine am Laberberg und am Brunnberg kannman bei den verwickelten Hebungsverhältnissen dieser beiden Bergzüge nur schwie-rig bestimmen. Es scheint, dass die Kreidebildungen unmittelbar auf den oberenAlpenkalk folgen, und dass sie in abweichender Lagerung über den älteren, schonfrüher theilweise gehobenen Formationen abgesetzt wurden. Ihre Schichten wurdenspäter noch bedeutend gehoben, und häufig, wie zum Beispiel am Rappenkopf undSonnenberg, durch Faltungen und Verschiebungen in sehr unregelmässige Stellungenzu den älteren Bildungen gebracht. An den Wänden unterhalb des Brunnbergesund des Rappenkopfes zeigen die festen grobkörnigen Sandsteine vielfach wieder-kehrende, wellenförmige Biegungen.

Die Kreidebildungen sind sehr entwickelt in dem Becken der Soile- und derNebele-Alpe, zwischen den Laberköpfen und dem Ettaler Männdl; es kommen hierviele feinkörnige, kalkige, leicht zerstörbare Schichten vor, durch deren Verwitte-rung sich grosse Massen eines thonigen Schuttes gebildet haben.

1) Jahrbuch der k. k. geolog. Reiehsanstalt. IV. 1853, S. 335 — 338.