ÜBERSICHT DER FORMATIONEN.
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Interessant sind die mannigfachen Erosionsformen, welche das Regenwasseran den geneigten Schichten des oberen Alpenkalkes oder in den ebeneren Thal-flächen hervorbringt. In den weiten Mulden im Hintergründe des Rainthaies, desIlöllenthales und am südöstlichen Fusse der Dreithorspitzen, in welchen das Gesteinim Allgemeinen fast ohne Vegetationsbedeckung der Einwirkung des atmosphäri-schen Wassers ausgesetzt ist, haben sich auf diese Weise ausgezeichnete Karren-felder gebildet. Der Boden ist theils mit tiefen und breiten Erosionsfurchen, theilsmit kesselförmigen Vertiefungen und Einsenkungen bedeckt. Die Bildung der letz-teren wird hauptsächlich durch die zahlreichen Klüfte im Inneren des Gebirgesmöglich; sie gestatten dem Regen- und Schneewasser, nachdem es den kohlen-sauren Kalk aufgelöst hat, einen unterirdischen Abfluss am Boden der verschiede-nen Trichter.
In dem oberen Alpenkalk kommen an mehreren Punkten Bleierzspuren 1 2 vor,z. B. in der Kohlstattleite östlich von der Ahrnspitze, an der Ferchenwand und ananderen Punkten des Wettersteines, im Gassenthale nördlich vom Hoben Gaif undan mehreren Stellen im Höllenthale.
In dem letzteren Thale betreibt Herr Rechnungscommissär Biebl, welcher die-ses Gebiet vielfach in bergmännischer Beziehung durchforscht hat, seit längerer Zeiteinen regelmässigen Bergbau, in einer Höhe von 4625 P. F. Es kömmt dort vor-zugsweise Schwefelblei und molybdänsaures Bleioxyd (Gelb-Bleierz) vor, Galmeiwurde noch nicht gefunden.
VI. Kreidebildungen, Orbitulitensandstein 3 .
Die Orbitulitengesteine treten in den Umgebungen von Oberammergau an meh-reren Punkten in ziemlich grosser Mächtigkeit auf. Es sind graue und grünlich-graue Sandsteine, durch die Verwitterung an der Aussenseite braun gefärbt, miteinem kalkigen und thonigen Cement. Das letztere wird an manchen Stücken sehrvorherrschend, überhaupt ist die Zusammensetzung dieses Gesteines, welches baldfein- bald grobkörnig ist, sehr wechselnd. In einzelnen Schichten werden die Quarz-und Hornsteinkörner sehr vorherrschend, und erlangen zuweilen eine bedeutendeGrösse. Das Gestein ist dann sehr fest und nicht selten von unregelmässig verwach-senen Hornsteinstreifen durchzogen; die Aussenfläche wird bei der Verwitterung rauhund es treten theils kleinere gerundete Hornsteinkörner, theils grössere, gewöhnlichetwas eckige Hornsteinknollen bis zur Grösse einer Wallnuss, an derselben hervor.
Diese festen, grobkörnigen, zuweilen breccienartigen Gesteine kann man an densüdlichen Abdachungen des Laberberges gegen Ettal beobachten, wenn man vonder Nebelalpe zur Männdlalpe geht; sehr ausgezeichnet treten dieselben auch an den
1) Vergl. die näheren Bemerkungen bei Schmitz S. 379.
2) In dem Terrain der Karte, auf Taf. XIX, kömmt diese Formation nicht mehr vor, sondern erst
nördlich davon.