548
an den Wänden auf der nordwestlichen Seite des Waclisensteines zwischen demAlplebach und dem Rohrbach, u. s. w.
Neben diesen vorherrschenden Klüften konnte ich noch ein anderes, wie esscheint untergeordnetes, Spaltensystem beobachten, dessen mittlere Richtung vonW. N.W. nach O. S. O. geht. Diese Klüfte finden sich am Hupfleitenpasse, amSchwarzenkopf und Osterfeld, auf der südlichen Abdachung des Kreuzjoches, amnordöstlichen Ende des Wachsensteines und an anderen Punkten seiner steilenWände, ferner im Höllenthalkahre u. s. w. An dem letzteren Punkte durchschnei-den sie die Klüfte des ersteren Systemes, welche hier von N.N.O. und N.O. nachS.S.W. und S.W. streichen, unter sehr grossen, oder fast rechten Winkeln, wo-durch vielfache Senkungen und Verwerfungen einzelner Gesteinpartieen entstehen.
Wenn man an Ort und Stelle diese langen Klüfte verfolgt, so wird man sehrbald auf einen gewissen Zusammenhang aufmerksam, welcher zwischen ihrer mitt-leren Richtung und zwischen jener verschiedener Thalspalten und steiler Felsenwändestattfindet. Manche Thäler und Kämme, welche mit der Streichungslinie oder demverschiedenen Fallen der Schichten keinen Zusammenhang zeigen, zum Beispieldas Höllenthal oder der nach beiden Seiten steil abgeschnittene Zug des Wachsen-steines, verdanken ihre Richtung und Entstehung sehr wahrscheinlich denselbenoder ähnlichen Ursachen, welche die oben beschriebenen Spaltensysteme hervor-gerufen haben.
Aus den angeführten ßeobachtnngen sieht man zugleich, dass das Gebirge hierdurch die ursprüngliche Stratification und durch spätere Zerklüftungen in sehr ver-schiedenartigen Richtungen durchschnitten wird. Es bedarf daher oft einiger Vor-sicht, um mit Sicherheit die wirklichen Schichtenflächen bei der Bestimmung ih-res Fallens und Streichens aufzufinden, um so mehr, da in dem oberen Alpenkalkebenso wie in dem Dolomite die Stratification zuweilen ziemlich undeutlich wird.Klüftung und Schichtung unterscheiden sich sehr häufig dadurch, dass die Schich-tungslinien an einem Abbange weit zahlreicher und regelmässiger wiederkehren, alsdie Klüfte und Spalten; man muss ferner einzelne etwas verschieden gefärbte Ge-steinlagen aufmerksam verfolgen, und die Beobachtungen an mehreren Punkten undbesonders auf verschiedenen Abdachungen eines Berges wiederholen, um ein klaresBild von der Stellung der Schichten und der davon bedingten inneren Structur desGebirges zu erhalten.
A. Gruppe der Zugspitze und des Wettersteines bDer lichte obere Alpenkalk bildet von dem Wetterstein über die Dreithorspitzen
1) Vergl. mit diesen Bemerkungen die Zeichen für das Fallen und Streichen der Schichten aufder Karte.
Durch diese Zeichen, welche an den wichtigsten Punkten eingetragen sind, dürften wohl die Structurund die Ilebungsverhältnisse des Gebirges hinreichend deutlich und naturgemäss hervortreten.