METEOROLOGISCHE VERHÄLTNISSE; WÄRME HER LUFT.
585
sehr gutes Beispiel können für den Einfluss der Masse auf die Lufttemperatur dieUnterschiede zwischen der Mont-Blanc- und Monte-Rosa -Gruppe angeführt wer-den. Es lässt sich erwarten, was auch die directe Beobachtung überall bestätigt,dass das Vorhandensein hoher Thalsohlen oder alpiner Plateaux besonders durch dievertheilende Einwirkung des aufsteigenden Luftstromes auch auf die höheren Theileeinen nicht unbedeutenden Einfluss ausüben wird.
Die Exposition der Abhänge und die allgemeine nördliche und südliche Abda-chung bedingen ebenfalls in allen Theilen der Alpen sehr merkliche Unterschiede. Wirversuchten dieselben dadurch auszudrücken, dass die Linien auf der nördlichen (lin-ken) Seite des Beschauers, in entsprechender Grösse nach abwärts sich krümmen.
Der Ueberschuss der Temperatur in der Nähe von erwärinungsfähigen Oberflä-chen über die Wärme der freien Atmosphäre in gleicher Höhe ist eine Funktionder Masse und zugleich ihrer Oberfläche. Sie erscheint da am grössten, wo dieMassen mit der geringsten Oberflächenentwickelung vorhanden sind, also am gröss-ten in Hochebenen. Sie wird bedeutend vermindert, wenn durch steile Formen desGebirges viele verhältnissmässig tiefe Einschnitte hervorgebracht werden, weil jetztdie Strahlung der nicht besonnten Oberflächen am Tage und aller Flächen bei Nacht
o
in raschem Verhältnisse wächst. Gebirge mit tief eingeschnittenen Thälern, in de-nen sich überdies die herabsinkenden kalten Luftströme anhäufen können, werdendaher immer kälter sein, als solche, in welchen die Erhebung wenig unterbrochenerMassen bis zu grossen Höhen hinaufreicht. Dadurch geschieht es zugleich, dassjene Pflanzengrenzen, welche vorzüglich von extremen Temperaturen abhängen, dieseUnterschiede, sowohl der Exposition als der Massenhaftigkeit, weit grösser ergeben,als die Linien gleicher Jahreswärme.
Die absolute Veränderlichkeit für die einzelnen Monate, das heisst die Abwei-chung des kältesten und des wärmsten Monates während einer langen Beobachtuims-reilie vom wahren Mittel, nimmt, ähnlich wie die tägliche Amplitude der Lufttem-peratur, vom Winter gegen den Sommer zu. Ihre Grösse scheint, ganz im Allge-meinen, der mittleren täglichen Amplitude nahe gleich zu kommen 1 .
Die Unterschiede zwischen den kältesten und wärmsten Jahren sind im Gebieteder Alpen ebenfalls ziemlich bedeutend und theilweise durch das Vorhandensein aus-gedehnter Abhänge gesteigert, indem dadurch, besonders für einzelne Localitäten,der Temperaturgang durch locale Strömungen der Luft ein etwas extremerer wird.
Zur Vergleichung mit einigen früher mitgetheilten Jahresmitteln für Stationeninnerhalb der Alpen fügen wir hier noch einige Angaben von der Lombardei an.Sie sind der Abhandlung von Curzio Buzzetti in dem reichhaltigen Werke: No-tizie civili e naturali su la Lombardia 2 , entnommen.
74