METEOROLOGISCHE VERHÄLTNISSE; WÄRME DER QUELLEN UND BODENSCHICHTEN. 587
abreicliend, ausgebohrt war; in dieser Röhre befand sich ein sehr empfindlichesThermometer.
Diese Cylinder wurden, um alle Versuche 1 direct mit den Beobachtungen amEise vergleichen zu können, zuerst in einem Gemische von Schnee und Wasser auf0° gebracht, dann in ein Kältegemisch von —18° getaucht und nun der Stand desThermometers Anfangs von Minute zu Minute, später in Zwischenräumen von 2 bis3 Minuten abgelesen.
Setzt man die Wärmeveränderungen, die das Blei zeigte 2 , gleich 100, so ergabsich aus diesen Versuchen für Eis 30, für trockenen, möglichst fest eingedrücktenQuarzsand 10 bis 12. War hingegen der Sand stark befeuchtet, so pflanzte sichdie Wärme verhältnissmässig sehr rasch fort, nahe im Verhältnisse von 50 bis 60,wenn Blei gleich 100 gesetzt wurde. Es war zugleich die Art der Wärmeverände-rung dann eine ganz andere, indem jetzt entschieden Strömungen in den kleinen,zwischen den Sandkörnern enthaltenen Wassertlieilchen entstanden, die, wie auchdie Gestalt der Wärmecurve zeigte, einen ganz verschiedenen Gang befolgten.
Man kann die Resultate dieser Versuche keineswegs mit der Leitungsfähigkeitfür Wärme der betreffenden Körper identifieiren, da die specifische Wärme, diepulvrige Beschaffenheit des Sandes, die Diathermaneität des Eises hier ebenfalls vonEinfluss waren; dieselben Verhältnisse bleiben aber auch in ^Virksamkeit, wenn sichin den jährlichen Temperaturveränderungen der oberen Bodenschichten die äusserenTemperaturverhältnisse allmählig in die Tiefe fortpflanzen. Die im Boden enthalteneFeuchtigkeit trägt wesentlich dazu bei, die Fortpflanzung der Wärme in demsel-ben zu beschleunigen; anderntlieils wird die Mächtigkeit der gefrornen Bodenschich-ten in grossen Höhen das Eindringen der Kälte in die tieferen Bodenschichten we-sentlich beschränken; dasselbe findet auch statt in continentalen Climaten gegenüberden Climaten mit milden Wintern 3 .
Die Schichten des Eises im Boden befinden sich zunächst an der Oberflächeselbst, also gerade in jenen Lagen, in denen sonst die Temperaturveränderimgendie grössten sind. Sie wirken offenbar durch diese Lage mehr abstumpfend ein, alswenn sich eine Eislage von gleicher Mächtigkeit erst in grösserer Tiefe unter deräusseren Oberfläche befände.
Leopold von Buch hat auf die grosse Bedeutung aufmerksam gemacht 4 , wel-
1) Die Versuche wurden Ende Februar 1853 gemacht.
2) Die einzelnen Beobachtungen, auf welche diese Zahlen gegründet sind, werden später in Pog-gendorff’s Annalen specieller mitgetheilt werden.
3) In Höhen von 5000 bis (1000 Fuss ist die Dicke der gefrornen Bodenschichten im Winter oftungemein beträchtlich; in Vent 5791 fand sie Herr Pfarrer Arnold, nach einer brieflichen Mittheilungvom 19. Febr. 1849, 6 Fuss 5 bis 7 Zoll.
4) Leop. v. Buch, Einige Bemerkungen über Quellentemperatur. Abh. Berl. Acad. 1825, in Pogg.Ann. XII, 403; vergl. auch Hallmann’s an interessanten Beobachtungen reiches Werk über die Tempe-ratur der Quellen. Berlin D. Reimer. 1854.
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