Dritter Abschnitt-
Vom Zeitmaaße.
Erstes Capitel.
" Sternzeit.
§. 114.
b°ur ist ein abstrakter metaphysischer Begrif, von dem wir uns keine andre Vor-stellung machen können, als durch die kleinere oder größere Reihe der in dieser Zeit vor-gegangenen Verändiunge» oder Bewegungen, so wie wir uns den Raum nur vermit-telst der darin befindlichen Körper vorstellen können. So wie aber der Begrft desRaums ersodcrt, daß diese Körper sämmtlich von einer bestimmten gleichen Größe sind,weil sonst ihre Anzahl die Größe des Raums nicht bestimmen würde: so fest auchjener Begrif der Zeit voraus, daß diese Bewegungen, wodurch die Zeit gemessen wird,nicht sprungweise geschehn, sondern nach dem Gesetze der Konrinuität von der Zeit ab-hängen, so daß gleiche Bewegungen jedesmal in gleichen Zeiten erfolgen. Jede unun-terbrochen fortgehende, rzleitchformige Bewegung kann also zum Zeitmaaße dienen :denn eben darin besteht die Gleichförmigkeit, daß in gleichen Zeiten gleiche Bewegungengeschehn. Kennt man die während einer gewissen gleichförmigen Bewegung verflosseneZeit, so findet man aus jeder andern Bewegung die dazu gehörige Zeit durch eine ein-fache Proportion, weil sich die Zeiten wie die Bewegungen verhalten. Man kannnämlich auf diese Art das Verhältnis jeder Zeit zu einer andern bekannten Zeit ange-ben , man kann Zeiten mit Zeiten vergleichen; aber die absolute Größe der Z'it ist einganz unbestimmter Bearif. Eben so verhält es sich mit allen andern Größen: es kömmtalles dabey auf Verhältnisse zwischen Größen von einer Art an, und damit hier etwasbestimmtes sey, ist es nothwendig, irgend eine dieser Größen zum allgemeinen Maas«nznnehmen, mit dem man alle übrigen Größen dieser Art vergleicht. Eine solcheGröße mus allgemein bekannt seyn, d. h. man mus sich von ihr einen klaren sinnlichenBearif machen können. Hieraus fliesten folgende Eigenschaften, die zu einem bequemenZeirmaasie erfoderlich sind. Es mus nicht zu gros seyn, sondern im Lauf eines Men-schcn-Lebens oft widerbolt werden, damit man sich durch eigne Erfahrung einen klarenBearif davon verschaffen könne. Es mus genau bestimmte und in die Sinnen fallendeGränzen haben, die zugleich von der Art sind, daß jeder Mensch während desselben einegewisse vollständige Reibe von Handlungen vorgenommen hat, deren Periode diesesZeitmaas ist; d. h. die Geodäsie des bürgerlichen Lebens müssen sich nach diesem Zeit-maaße richten, damit der Begrif davon desto lebhaftere Eindrücke mache. -
O
§- 14s.