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Das Tierleben der Alpenwelt : Naturansichten und Tierzeichnungen aus dem schweizerischen Gebirge / von Friedrich von Tschudi ; illustriert von E. Rittmeyer und W. Georgy ; herausgegeben von C. Keller
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Allgemeiner Charakter.

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schiedene Neigung zur Gesamtbodencrhebnng aus. Das ganze Land ist nureine verzweigte und unterbrochene Alpenbildnng; die Thäler liegen hoch, dieBergzüge sind nicht so tief eingeschnittcn, die Gipfelbildnngcn, so beträchtlichihre absolute Höhe auch ist, steigen durchschnittlich nicht so steil, so kühn in dieWolken, sondern in sanfteren Gehängen, in gernndetercn Zwischenstufen. DieBergpässe führen seltener über steile Terrassen hinan; oft sind sie nur dasJneinanderauslaufen zweier sanftgcncigtcr Hochthäler. Die Hanptthälcr desBerneroberlandes erreichen kaum recht die Bergregion; das Rhonethal berührtnur mit seiner obersten Spitze die Alpenregion; wohl aber das Saaß- undMatterthal, die zwischen die cisumstarrten Gipfel des Montcrosastockes sichhineindrängen. Die höchsten der großen Bernerthäler liegen noch tiefer. Vonden an die gewaltige Jnngfrangrnppe anlehnenden berührt das Lauter-brunnenthal kaum die Bergregion, das Grindelwaldthal geht nicht über siehinaus, kaum das Oberhaslithal. Tic gleiche verhältnismäßig tiefe Thallagetritt uns in Tcssin, Uri, Unterwaldcn, Schwyz, Glarns, St. Gallen undAppcnzcll entgegen. Das Renßthal tritt nur mit der kleinen Spitze oberhalbder Teufelsbrücke in die Alpenzone ein. Ganz anders die rhätischcn Thal-gebiete: nur die Kantonsspitzen im Norden, im äußersten Osten und im tiefstenSüden gehören nicht der Bergregion an, ein beträchtlicher Teil aber liegtvöllig in der Alpenzone, so das Tavetsch, Rheinwald, obere Tavos, Avers ,Vrinthal, Obcrengadi» und die letzte Hälfte vieler anderen.

Das sind denn auch die höchstgclegenen Knlturthäler Europas ,merkwürdig und einzig in ihrer Art. Der fremde Wanderer, der aus demebenen Tieflande des Nordens herkommt, erwartet, in einer Höhe von mehrals 1700 m ü. M., kaum mehr ordentliche Thäler zu finden; er denkt, bloßdürftige Hirtenwohnungen und Sennhütten als Wahrzeichen zu treffen vondem harten Kampfe des Menschen mit der Starrheit des Klimas und Unfrucht-barkeit des Bodens. Wie erstaunt er aber, z. B. längs des Jinis ein achtzehnStunden langes und etwa eine halbe Stunde breites Hauptthal mit fünfund-zwanzig Seitenthälern zu finden, das einen Flächeninhalt von über 1200 cstonund in etwa 28 Ortschaften eine Bevölkerung von 12 000 Personen hat, einThal, das mit seiner tiefsten Endspitze (Martinsbrnck) noch über 1247 mü. M. liegt und also fast seiner ganzen Länge nach in die alpine Region fällt.Und diese Dörfer sind nicht traurige Hütten der Armut, sondern haben große,stattliche Häuser, oft palastartige mit Freitreppen und Altanen, mit künstlichenEisengeländern geschmückt, statt Saumpfade schöne Chausseen, ein rüstiges,intelligentes und wohlhabendes protestantisches Völklein, das zwei der drei inBünden heimischen romanischen Dialekte spricht. Die blühende OrtschaftSamaden , wo man so viel Wohlstand und Bildung trifft, liegt 1707 m ü. M.,bei Camvfer (1829 m ü. M.) wird noch Getreide gebaut, bei Sils (1809 mü. M.) findet man noch Flachs und Gemüse in den Gärten, und doch liegendiese Ortschaften 650 m höher als die höchste Spitze des Harzgebirges, der