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Das Tierleben der Alpenwelt : Naturansichten und Tierzeichnungen aus dem schweizerischen Gebirge / von Friedrich von Tschudi ; illustriert von E. Rittmeyer und W. Georgy ; herausgegeben von C. Keller
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Tie Alpenregion.

sieht mcui diese schwankenden Schanmfädcn an den Felsen hängen oder hörtdie jungen Bäche über die großen Felsenstnfen ihrer Schluchten hinnnterkommen.

Verhältnismäßig ebenso zahlreich und ebenso reizend sind die tiefgrnnen,blauen oder weißlichgrauen Hochseen, die eine schöpferische Hand so reichlichüber das Alpcnrelies hingeftrcut hat. In der obern Alpen - und unternSchnccrcgion weit zahlreicher als in den untern Alpen, sind sie nur ganzkleine Wasscrschalcn, meist mit höchst zerklüftetem Felscngrnnde. Innerhalbdes Baumrcpiers kränzen ihre Ufer noch dunkle Rottannen und Zirbelkiefer-gruppen. Tie Einfassung des Scespiegels wird bald von schroffen Felsen-zügen, aus denen unmittelbar die trotzigen Bcrgkegel aufsteigen, gebildet, baldverläuft sie in feuchte, saure Wiesen. In klaren Farben malen sich die ewigenAlpen in dem außerordentlich durchsichtigen Krystallspiegel mit allen ihrengrünen Gesimsen, dunkeln Schluchten, blinkenden Schncespiegeln und jähenFelsenterrasscn ab. Es ist, als ob der Geist dieser Alpenwelt kühn aus demWasserange blitze, und wenn im Spätsommer noch von einem abgrämendenVorsprung die hellen Glocken der zu Thale ziehenden Herden sich mit demmelancholisch trotzigen Jodclrnfe der Sennen mischen, dünkt es wohl demWanderer, als habe jener Geist mit seiner Lebenskraft und seinem Todesmutc,mit seinem Reize und seiner Macht auch eine Sprache gefunden.

Tie oberen Wassersammler, die sich meistens von großen Gletscherfcldernnähren und an ihrem Rande keinen Baum, höchstens etliche magere Weiden-,Heckenkirschen-, Alpenrosen- oder Erlenbüsche tragen oder auch ganz totzwischen grauen Geschiebrcvicren und Felsenwändcn lagern, haben ein düsteresund tiefernstes Ansehen. Gewöhnlich ohne alle Wellenbewegung, mit dunkel-grünen, blauen oder miichiggrancn Farbcntönen, stimmen sie zum öden Geisteder Fclscnlandschaft. Kein Nachen, kein Flößchcn hat sie je berührt, keineSeerose ihre breiten Blätter auf dem Spiegel gewiegt; kein Fisch zieht durchdie grünen Tiefen, kein Wasservogel, oft nicht einmal ein Frosch sitzt an densteinigen Usern, an denen sich bald eine belebte Paßstraße, bald nur ein ein-samer Saumpfad hinzieht; nur zur Wanderzcit läßt sich etwa ein Trüppleindem glücklichen Süden zueilender Wasservögel auf der unwirtlichen Flutnieder. Tcn größten Teil des Jahres deckt sie Schnee und Eis, und manchesflacher ansgewölbte Becken friert bis auf den Grund zu. Mühsam undlangsam taut der Frühling oder Sommer sie auf, und kleine Eisfelder undBlöcke schwimmen noch auf ihnen, wenn schon die Alpenrosenbüsche ihrerFelsen freudig die Glockensträuße im Winde wiegen. Hin und wider wirstnoch eine späte Lawine haushohe, sprudelnde Schncemassen in ihre Becken,oder ein später Frost überzieht die kaum geschmolzene Flut mit einer sulzigen,aus Krystallnadeln gewobenen, beweglichen Tecke.

Einer der höchstgelegcncn dieser Seen ist der des großen Bcrnhards-bergcs, dicht unter dem berühmten Hospiz (2470 m ü.M.), eine Viertelstundeim Umfang, nur wenige Monate des Jahres, im Jahre 1816 sogar nie auf-