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Das Tierleben der Alpenwelt : Naturansichten und Tierzeichnungen aus dem schweizerischen Gebirge / von Friedrich von Tschudi ; illustriert von E. Rittmeyer und W. Georgy ; herausgegeben von C. Keller
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Allgemeiner Charakter.

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ü. M.) und Krispalt (2265 in ü. M.), des Mittelrheines im Scursee (2453 mii. M.), des Hinterrhciues am Rheinwaldglctscher (1900 m ü. I.N.). Dabeigilt der Grundsatz, daß den eigentlichen Quellbächen stets vor den bloßenGletscherabflüssen der Vorzug gegeben wird. Die drei Quellenbäche derRhone empfangen vom Rhoncglctscher zwei Eisabslüsse, die wohl mit zwanzigmal reicheren Massen aus den Eishöhlen hervorsprudeln, als der kleine aufden Wiesen beim Wirtshaus zum Gletsch entspringende Qucllbach, der freilichum 15° C. mehr Wärme hält, und doch haben nicht sie den Namen derRhonegnellcn nnd verdienen ihn auch nicht, da sie nicht eigentliche Quell-wasser sind. Damit stimmt ganz die Verachtung zusammen, welche so häufigdie Alpcubcwohner gegen die .wildeick Gletscherwasser bezeigen, und ihreVerehrung vor den ,lebendigen^ Quellen, indem die ersteren kalt, trübe, rauhsind und für ungesund und entkräftend gelten, die letzteren aber rein, klar undso warm, daß sie selbst im Winter oft eine grüne Vegetation an ihrem Ufererhalten. Und doch haben manche Ströme nur solche gering angeseheneGletscherguellen; so wird gerade die Aare durch die starken Bäche des Oberaar-,Finsteraar- und Lauteraargletschers gebildet, die bei ihrer Vereinigung 2030 mn. M. liegen. Der einzige Bach, der lange durch die Alpenzone strömt nndin ihr zum Flusse wird, ist der Jnn. Doch auch die Aare gewinnt rasch einebedeutende Stärke durch die Zuflüsse aus allen den finsteren Eisthülcrn, diesie in wildem, tobendem Gange durchströmt; dann geht sie ruhig durch dietrostlos öde, jetzt beinahe ganz bäum- und buschlose Trümmersohle des Aar-bodcnthales unter dem Grimselhospize weg einer engen Schlucht zu, durch diesie von Stufe zu Stufe fällt und dem Räterisboden (1705 m ii. IN.) ent-gegeneilt, bis sie oberhalb der Handccksennhütte einen hübschen Fall, unterhalbderselben aber (1384 m ii. M.), mit dem Aerlenbach zwischen den Granit-felsen in einen 30 m tiefen Abgrund stürzend, den berühmten Handeckfallbildet, den einzigen großen Wasserfall der Alpcnregion, der aber den ganzenWinter über nur durch ein mageres nnd unscheinbares Büchlein eingenommenwird. Kurz nach diesem köstlichen Salto mortale tritt sie aus der Alpenregionhinaus.

Die übrigen Wasserfülle der letzteren, mit Ausnahme etwa des herrlichen,15 m tiefen Dransefalles im Bagnethal unterhalb Fionin (1526 in ü. M.),sind nicht besonders wasserreich, da sie den Quellen zu nahe liegen, dafür abersehr zahlreich und oft außerordentlich kühn*). In allen höheren Revieren

*) Der mächtigste Wasserfall der Zentralalpen ist der Tosa oder Toccia (1390 inü. M.) im höchsten Teile des piemontesischen Formazzathales, vom Griesgletschergenährt. Mit einer Wasserbreite von 26 m stürzt er sich bei der Kapelle milla truain drei zusammenhängenden Armen über eine schiefe Felsenwand in eine Tiefe vonbeinahe l6v w, aus welcher ohne Ende ungeheure Wolken schimmernden Gcstäubesanfqualmen. Von den schweizerischen Fällen steht er an Wasserfülle nur dem Rhein-falle nach, übertrifft denselben aber an Sturzhöhe wohl siebenmal.