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Das Tierleben der Alpenwelt : Naturansichten und Tierzeichnungen aus dem schweizerischen Gebirge / von Friedrich von Tschudi ; illustriert von E. Rittmeyer und W. Georgy ; herausgegeben von C. Keller
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Allgemeiner Charakter.

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Bergrücken bildete einen Wasserbehälter, einen Teil des weiten Schleusen-wehrs des Hochgebirges. Im Laufe der Zeit sägten sich die Abflüsse tieferdurch die Qnerriegel, die sie von der untern Bergstufe zurückhielten, und dieBassins entleerten sich ganz oder teilweise. Zu ihrer steten Verkleinerungträgt natürlich auch die Ablagerung der großen Geschiebmassen bei, welchealljährlich von ihren Zuflüssen aus den höheren Revieren hergebracht werden.Doch ist diese Auffüllung nur bei den seichteren Seen bemerkbar; bei derbeträchtlichen Tiefe der übrigen, besonders derjenigen, die nicht von Sumpf-wiesen umgeben, sondern in eine Felseneinfassung ausgehöhlt sind, wird erst derLauf der Jahrhunderte größere Veränderung ausweisen.

Die Temperatur aller dieser Wassersammler, deren Zahl wohl gegen1000 ist, steht niedrig, ist aber höchst verschiedenartig. Durch sie wird dasfrühere oder spätere, das seichtere oder tiefere Zufrieren bedingt und durchdieses wieder die in ihnen sich entfaltende Pflanzen- und Tierwelt. Seen, dieselbst nicht höher als 1400 in ü. M., aber an Gletschern liegen, viele Eis-blöcke führen, früh und tief zufrieren, haben keine bemerkbare Spur vonWasserpflanzen und Wassertieren, nicht einmal einen Frosch oder eine Wasser-wanze, während andere Alpenseen, die unter günstigen Verhältnissen über 650 inhöher liegen, noch die schönsten Fische beherbergen und im Frühling von Frosch-gequak widerhallen. Wahrscheinlich ziehen sich in diese im Herbst die Fische derAlpenbäche zurück. Die Bäche frieren, weil ihre Quellen fest geworden, oftganz aus, während die Tiefe des Sees noch einen erträglichen Wärmegradbehält. Doch sind diese Fischwanderungen noch gar wenig beobachtet worden.

Die Neuzeit richtete ihr Augenmerk auch auf die mikroskopische Tierweltder Höchsten und die Beobachtungen von O. Jmhof haben mit Bezug aufderen Fauna manche bemerkenswerte Thatsachen ergeben. Die geringe Tiefeder hochgelegenen Seen läßt einen Gegensatz zwischen den Uferbewohnern undder Bevölkerung des Seegrundes nicht aufkommen; eine eigentliche Tiefsee-fauna wie sie in den großen Seebecken der Ebene zur Beobachtung gelangte,fehlt den Alpenseen. Dagegen wurde in großer Verbreitung jene reiche undeigentümliche Fauna niederer Wesen nachgewiesen, welche das Ufergebietmeidet und auf das offene Wasser angewiesen ist. Sie bildet die pelagischeTierwelt und besteht aus kleinen, stets in Bewegung begriffenen oderschwebenden Protozoen, Rädertieren und niederen Krebsen (Entomostraken);ihr Körper ist in seinem spezifischen Gewicht nur wenig von dem umgebendenWasser verschieden und weist sehr häufig eine glasartig durchsichtigeBeschaffenheit auf. Eigentümliche Arten kommen in den Alpen nicht vor, dieFormen stimmen mit denjenigen der Seen in der Tiefe überein; die Artenzahlnimmt jedoch nach der Höhe zu ab, dagegen ist nicht selten der Jndividuen-reichtum ein ganz erstaunlicher. JhreNahrung besteht aus organischem Detritusund schwimmenden kleinen Algen.

Tjchudt, Ticrlcbcu. 11. Slufl.

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