228
zu diesen Löchern zu klettern. Die Strahler hatten sich nicht getäuscht; miteiniger Mühe wurden einzelne Krystalle bis zu 7> 2 üx herausgegrübelt.Der Erfolg ermutigte, ein benachbartes, bloß fnßgroßes Löchlein mit Meißelnzu erweitern; allein die Nacht brach ein. Die Mutigen wollten ihren Platzindes nicht verlassen und harrten, schlecht bekleidet und fast ohne Erquickung,in heulendem Sturm, eiskaltem Regen und Hagel dichtaneinander gedrängtauf ihrem schmalen Granitgesimse aus, jeden Augenblick gewärtig, auf denfinstern Gletscher hinunter geschleudert zu werden. Endlich gelang es, amfolgenden Tage mit dem dritten Sprcngschusse eine ziemlich geräumige, mitQuarz- und Granitslücken. Lehm und Chloritschutt angefüllte Höhlung zuöffnen, vorabzuräumem und hinein zu kriechen. Hier fanden sich dann, loseund unregelmäßig im Schutt liegend, eine Menge der prachtvollsten, meisttiefdunkel gefärbten Morione, darunter Kabinettsstücke von tadelloser Reinheitund Form und einer Größe, wie sie bisher noch nie vorgekommen war. DieKunde des Fundes setzte das halbe Gnttanen in Bewegung, und mit fieber-hafter Hast wurde der Schatz gehoben. Er betrug gegen 15 000 Rauch-quarze, darunter fünfzig Stück von 50 —100 üg, gegen 20 über 100 und2 Stück über 150 üu. Die Schweizer Museen beeilten sich, die schönstenExemplare zu erwerben.
Von den vielen Mineralwässern des Alpengürtels, die bald in Moor-wiesen, bald in Schluchten oder auf kahlen Bergrücken in reicher Mannig-faltigkeit hervorsprudeln (nur bei Schuols im Untereugadin fließen über 20Mineralquellen, von denen die meisten zu den vorzüglichsten Salz-, Sauer-und Schwefelbrunnen gehören, die wir besitzen, während Tarasps Natron-quelle mit reichem Kohlensüuregchalt an Stärke die berühmtesten europäischen Konkurrenten, wie Eger und Karlsbad , bedeutend übertrifft), besitzt die vonSt. Moritz (1856 w ü. M.), die von Paracelsus einst für den ersten Sauer-brunnen Europas erklärt wurde, und die auf dem Bernhardin gute Ein-richtungen und empfängt Gäste aus dem fernsten Süden und Norden. DasEngadin überhaupt, besonders aber das untere, ist auffallend reich anmineralischen Schätzen und Erscheinungen, die mit diesen in Verbindungstehen. Oberhalb Tarasp zeigt sich Eisenvitriol, bei Schuols Schwefel, häufigGips, Marmor, Porphyr, Spateisen, Serpentin. In den zahlreichen Sinter-höhlen der Nachbarschaft treten die reichsten mineralischen Efflorescenzen zuTage; so hangen z. B. in einer solchen ob Schuols fingerdicke Tropfen vonfast reinem Bittersalz von der Decke und ob Vulperra stehen an den Felsendes Scarlbachtobels große Inkrustationen von Eisenvitriol. Noch interessanteraber ist hier das Phänomen wirklicher Mosetten, die man sonst bisher nurauf vulkanischem Boden beobachtet hat. Eine derselben ist oberhalb der,Weinquelle', eines starken Säuerlings bei Schuols, in einer schlammigenVertiefung; eine andere auf einem auffallend unfruchtbaren Bodenstück. Esund hier Erdöffnungen, aus denen beständig reiche Gasmassen, namentlich
»