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Zweiter Abschnitt, Anatomie.
Kerfen so überwiegend, daß man an den Ganglien nie, an den Ncr-vcnfäden nur selten eine Streifung, welche auf Zusammenhang auseinzelnen Faden schließen ließe, wahrnimmt. Die Nervenmasse stecktin einer sehr zarten, strukturlosen, vollkommen durchsichtigen Haut, derNcrvcnscheidc (nourilcwa), welche das eigentlich Formende des ganzenNervensystems, wenigstens bei den Kerfen, zu sein scheint. Zn ihr istdie Nervenmasse eingeschlossen als eine weiche, breiartige Substanz, diehervorquillt, wenn man die Scheide öffnet. Bei erster oberflächlicherBetrachtung scheinen auch die Hauptnervenfaden der Kerfe, wenigstensdie beiden großen Bauchstrange, aus mehreren, neben einander liegen-den Fasern gebildet zu sein, indem sich parallele Streifen an ihnenbemerkbar machen; allein diese verschwinden bei näherer Betrachtungganz, und jeder Faden ist nichts weiter, als ein voll Ncrvcnmasse ge-stopftes Rohr der Ncrvenscheibe. Die scheinbare Streifung rührtnehmlich daher, daß die Kügclchen der Nervenmasse nicht bunt durcheinander liegen, sondern der Länge nach an einander gercihet sind. Ausdiese Art erscheinen uns einzelne Nervenfaden, ja sie werden dazu,wenn sich, wie bei höheren Thieren, die Masse verdichtet, die Kügel-chcn an einander schieben, und das Ncurilem zwischen die Streifenhinabsenkt.
Die Nervenmassc besteht wieder aus zweien verschiedenen Sub-stanzen, nehmlich der festeren, weißeren Centralmasse, und der wei-cheren, dunkler gefärbten, mitunter schön karminrothen (so bei derRaupe von Rootua Vorbasci nach meinen Beobachtungen *) Rinden-substanz. Sie lasse» sich aber nur an frisch geöffneten Kcrsen mitDeutlichkeit unterscheiden; bei solchen, die lange in Weingeist lagen,dunkelt jene nach, und diese entfärbt sich, so daß beide keine Unter-schiede mehr zeigen. An den Fäden scheint die Nindcnsnbstanz zu feh-len, und nur die weiße, milchfarbene Kcrnmasse vorhanden zn sein,daher diese in der Regel Heller sind, und an der Färbung der Knotenkeinen Antheil nehmen.
Was die Hauptform des Nervensystems der Kerfe betrifft, so er-scheint es als ein doppelter, an der Bauchseite verlaufender Strang,der von Absah zu Absatz durch Knoten (ganglia) wieder vereinigtist. Von diesen Knoten liegen zwei im Kopf, einer über dem Schlunde,der andere darunter, und bilden zusammen das Gehirn, von wel-
') Dies erinnert an die rothen Nervenpunkte bei vielen niederen Thieren, namentlichden Infusorien, besonders Näderthiercn. Ehrenberg erklärt in seinen klassischen Ab-handlungen über diese Anfänge der Organisation solche rothe Punkte für Augen, dochsind sie wolil nur Ansammlung von Nervenniasse überhaupt.