:">76 Dritter Abschnitt. Physiologie.
tetcs Gewölbe gespannt wird. Dies Gewölbe bekleidet sie An seinerinneren Fläche mit einer dünnen Wachsschicht, und hängt nun an ihmdie erste, aus großen ovalen, leicht mit einander verbundenen, wächser-nen Zellen bestehende Wabe auf. Der Eingang in das Nest findetsich am Boden, da wo das Gewölbe an den Rand der Grube stößt,doch läuft in der Regel noch eine längerer, überwölbter Gang von ihmaus, um so das Eindringen von Feinden zu erschweren. Sind dieersten Zellen vollendet, so legt das Weibchen Eier hinein, und füllt siezugleich mit Blnmensiaub und etwas Honig zur Ernährung der jun-gen Larven. Reicht dies nicht aus, so futtert sie sie mit denselbenSubstanzen. Aus diesen Larven entwickeln sich lauter Arbeiter, welchebald nach ihrer Geburt an der ferneren Ernährung der jüngern Mit-glieder Antheil nehmen und vorzugsweise Blumcnstaub und Honigeinsammeln. Die Entwickelung der Arbeitcrlarven dauert dann fort,bis alle groß geworden sind. Nun legt das alte Weibchen männlicheund weibliche Eier in die neuen oder gereinigten Zellen. Für die Er-nährung der hieraus sich entwickelnden Larven sind ganz besonders dieGeschlechtslosen besorgt, sie sammeln fortwährend Honig ein, und tra-gen ihn den Larven zu. Dieser Honig ist auch ihre einzige Nahrung,Blumcnstaub, wie die Arbeiterlarvcn, erhalten sie nicht. Anderer Ho-nig wird in die noch leeren Zellen getragen. Diese bestehen merkwür-diger Weise nicht aus Wachs, sondern aus dem Gcspinnst, welches diesich verpuppenden Larven innerhalb einer Wachezelle bildeten. Ist diesGcspinnst fertig, so tragen die Arbeiter das Wachs in seinem Umfangeab, bauen daraus neue Zellen und benutzen in der Folge das Gespinnstals Houigbchälter. — Gegen Ende des Sommers verlassen dann dirJungen beiderlei Geschlechtes das Nest und begatten sich im Freien.Die Männchen sterben, aber die Weibchen kehren ins Nest zurück,überwintern hier in eigenen mit Moos ausgefütterten Kammern dessel-ben und bevölkern im nächsten Frühjahr zum Theil das alte Nest, zumTheil ziehen sie zur Gründung neuer aus. Die Arbeiter und auch dieüberwinternden Weibchen leben inzwischen von dem eingesammeltenHonig.
Viele Schriftsteller reden bei den Hummeln sowohl, als auch beiden Wespen, von kleineren Weibchen, welche nur männliche Eier legen,und nach den Arbeitern, oder mit ihnen zugleich, erscheinen sollen.Offenbar sind dies Arbeiterinnen, die ihre Geschlechtlichkcit nicht ganzeinbüßten, und daher bcgattungs- und fortpflanzungsfähig wurden.Ob ihre Anwesenheit nothwendig sei, bezweifle ich, ebenso, daß sie,wie indeß fast einstimmig behauptet wird, nur männliche Eier legen.