Band 
Erster Band.
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auch der neuesten Zeiten bewährte Grundsatz, erwahrtesich much jezt.

Zu gleicher Zeit traten in Deutschland und der Schweizzwey Männer auf, welche, als wären sie miteinandereinverstanden, die Päpstliche Hierarchie und ihr ganzesGefolge, mit jenem Muth, der nur der Wahrheit eigenseyn kann, angriffen, einem grossen Theil der Christenheitdie bisher getragene Binde von den Augen rissen, unddie so lange vernichtete Freyheit zu denken und zu un,tersuchcn wiederherstellten. Luther und Zwingli waren dieseMänner — Luther hält man zwar allgemein für den erstenAnfänger der Reformation, weil man annihmt, Zwmglihabe sein grosses Werk erst seit seiner Ankunft in Zürich,mit dem Anfang des I. ,;iy. begonnen; allein schonzwey Jahre früher harre er in Einsiedeln gegen die Miß»brauche der Kirche öffentlich zu predigen angefangen. —>Dem sey aber wie ihm wolle, Zwmgli verliert nichtsan seinen Verdiensten, wenn wir Luther auch schon denVorrang lassen, indem er kein gewöhnlicher Nachbettcr,sonder einer der größten Eelbstdenker war. Wirglauben auch ohne uns der Partheylrchkeit schuldig zumachen, behaupten zu dörfen, daß der schweizerische Rc.formator, dem Deutschen an Gelehrsamkeit gleich gewesen,hingegen denselben an Humanität, Aufklärung und Tol»leranz weit übertroffen habe — Denn man vergleiche nurihr gegenseitiges Betragen, so wird man bald von derWahrheit dieser Behauptung unumstößlich überzeugt wer.den, und auch wieder Willen eingestchen müssen, daßZwmgli nicht an der Trennung der lutherischen undunsrer Kirche Schuld war.

Den Vorwarf, daß stetste Veranlassung zu schreklicherVerwirrung, zu langwierigen Kriegen und zu Unmensch»liehen Grausamkeiten gewesen, hat man beyden in gleichem