Jakob Gujer, genannt Kleinjogg.*>
Seitdem Hir-cl diesem Feldbauer ein Denkmahl ge«wevht hat, darf es niemand befremden, ihn in dem Chöreberühmter Zürcher zu sehen; obgleich er weder ließt nochschreibt, so nimmt er seinen Platz bey den Gelehrten, daer mit besondern, Erfolg das wichtigste Buch, das Buchder Natur und das menschliche Herz studirt, da er durcheignes, lebendiges Vorbild weit nachdrüklicher als so man-cher Schriftsteller durch todten Buchstaben gelehrt ha. Kei-neswegs werden an seiner Seite weder der Feldherr nochder Staatsmann sich schämen. Im Kleinen zeigt diesemsein Hauswesen das schönste Bild der grossen Hsushaltungdes Staates; mag jener durch die Waffen die Gränzen deSLandes erweitern, so kämpfte Klcinjogg mit dem Spart undder Hacke; seine ehrenvolle Beute zieht er aus drm Schossede? Bodens; als Held verfolgt er die Feinde; seine Feindeaber sind Borurtheile und Laster, die vor seinem hellenBlicke verschwinden Gleichwie für die öffentliche Ehrbe--gierde Curia und Forum, Academ und Olimpischer Spiel-plaz, so sind für die häusliche Ehrbegierde Haus und Mey-erhof und Werkstätte das schönste Theater. Und wer könntewol besser so viele fade Romane als ein häuslicher Plu-jarch oder Nepos verdängen? Würde nicht zur Bildung desgemeinen Mannes eine Sammlung von Lebensbeschreibun-gen guter Bürgersleute und Bauern weit lehrreicher seynals kckne Welt - und Staatengeschichte ?
Jacob Gujer wurde in der ersten Hälfte dieses Jahr-hunderts zu Wermetschweil bey Uster im Zürichgcbiete ge-boren. Bey dem vollblütigen Jungen waren Fleisch undGeist immer im Streite; ihn lockte die Sinnlichkeit in dieLustgesielde der Wollust, der Pfarrer hingegen riß ihn
S. Hirzels Wirthschaft eines philosophischen Bauren