Band 
Zweyter Band.
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für ihren einzigen Sohn: daher kam es, daß dieser sieheine Art von Süchternheit zuzog, die ihm in der Jugendein etwas pinselhastcs Aussehn gab, daö er hernach nichtohne Mühe abzulegen im Stand war.

Dem Doetor Linder, seinem ersten Lehrer in den Stu-dienjahren, glaubteJselin am meisten zu danken zuhaben»Ungeachtet die Gelehrsamkeit dieses Mannes ziemlich un-bedeutend gewesen, so fiel er doch glücklich auf den Einsaßseinem Schüler nebst QnintilianS Schriften des Heinek-eins Liemenm 8t^li Lulckoris und Winklers Anfangsgrün-de der Wölfischen Philosophie zu erklären. Diese Schrit-ten und Gottscheds vernünftige Tadlerinnen brachten demjungen Menschen den ersten Geschmack für Philosophieund schöne Litteratur bey; nachher fielen ihm WolfenSeigne teutsche Schriften in die Hand; mit Entzücken laSer desselben vernünftige Gedanken von Gott, von der See-le des Menschen und von der Welt. Des Morgens stu-dirre er diese und ähnliche Schriften mit seiner vereh-rungSwürdigen Mutter; des AbenS mit seinem Herzens-freunde, dem Obrist Frey. Dieser letztre machte ihn mitder französischen Litteratur bekannt. So sehe sichs einigeunsrer teutschen Schöndenker angewöhnt haben, die fran-zösischen Schriftsteller verächtlich anzusehn, so glaubteJselin immer, daß sie für die Teutschen eben so wichtigseyn, als es z. B. die Griechen für die Römer gewesen.

Ziemlich jung ward er mit spreng, dem Uebersetzetder Psalmen, bekannt; diesen Mann suchte er als grossenPoeten: Von demselben aber lernte er bloß das Mechani-sche der Dichtkunst. Die ächten, poetischen Schönheiten,die Erfindung, die Zusammenordnung der Theile, dieOekonomie des Ganzen, ric Auswahl der Farben und Bil-der das glückliche Mittel zwischenVerschwendung und Dürf-tigkeit im Ausdruck, die moralische Würkung u.s.w.

alles